Beitrag zum Faschingsbeginn 03 am 11.11. CEP 245207

Offener Brief an den Pfarrer zum Wartberger Faschingsbeginn am 11.11.

Ollawertester Hochwürgen Obenauf!

In Ihrem  Pfaorrblatt 3/2003 schreiben Sie unter dem Titel „5 Tage mit Pater James“ über die Erlebnisse bei den Exerzitien mit Pater James Manjakal wörtlich:
Wir bitten ganz bewusst auch um Rückmeldungen, wo jemand Heilendes an sich erfahren hat, weil wir damit Pater James auch helfen, seine Arbeit bei uns glaubwürdig zu rechtfertigen. In Medjugorje hat man bei seinen Exerzitien sogar seine alten Kleider, die er zum Waschen hergegeben hatte, zerschnitten und diese den Kranken zu Hause aufgelegt: der Erfolg war umwerfend: eine große Zahl wurde von schweren Leiden geheilt. Ich kann einfach nicht anders: Es erinnert mich an manche Heiligengeschichte, wo auch schon zu Lebzeiten schon erstaunliche Dinge passiert sind. Wenn uns auch manches nicht angenehm aufgestoßen haben mag, wir hatten einen ganz großen Mann unter uns – wenn nicht einen Heiligen.

Ihrer Aufforderung um Rückmeldungen wird hiermit nachgekommen.

Kürzlich wurde nämlich der rationale Hintergrund dieser Wunderheilungen bekannt.  Derart umwerfend waren diese Heilungen nämlich dank des heißen Klimas von Medjugorje, weshalb die ungewaschene Unterwäsche von P. James besonders gut wirkte. Eine Heilung erfolgte außerordentlich spontan: Ein schon lange Zeit Bettlägeriger wurde,  wie vom Heiliger Geisterhand empor gehoben und aus seinem Krankenbett geworfen, als ihm die braun-streifige Unterhose von P. James am Kopf aufgelegt wurde.

Um weitere, derart heilende Exerzitien zu fördern und Ihr Mitterdorfer Pfoarz- entrum entsprechend auszugestalten, wird Ihnen ein neues Kirchenfenster gespendet, dessen künstlerische Vorlage hier beigefügt ist.

Mit Freude wurde von Umweltbewussten registriert, dass das jüngste Pfoarrblatt (ebenfalls Nr. 3/2002) nicht mehr auf farbigem Hochglanzpapier sondern in schlichtem Schwarz-Weiß Druck erschien. Um Ihrem Blatt nicht nur eso-religiöses, sondern auch ein angemessenes ökologisches Image zu verleihen wird empfohlen, fürderhin das Pfoar(z)blatt auf Recyclingpapier zu drucken, das man unter der Marke „Cosy“ oder „Morana“ billigst in jedem Supermarkt auch in Rollen beziehen kann.

Ihr Er-Zähler auf dem Teufelstein, alias Conte Monte Anti-Christo.

 



Neues Kirchenfenster

 


 

 

Beitrag zum Faschingsbeginn 02
am 11.11.1 um 11:11
aus Anlass des 40. Jubiläums des Wartberger Faschingsumzuges

 

Am 11.11.1 um 11:11 wird eine Abordnung der Narren die Schlüssel der Wartberger Gemeindestube in einer feierlichen Zeremonie übernehmen. Zum 40. Jubiläum des Wartberger Faschingsumzuges demonstriert damit die Bevölkerung, dass mit Humor auch krisenhafte Zeiten am besten zu überstehen sind.

Der Auftritt des Prinzenpaares, Deklarationen, Musik, Faschingskrapfen und ein närrisches Spektakel bei der Mürzbrücke runden das Programm ab.

Als Beitrag von CALENdeRsign, gegründet und noch immer mit Firmensitz im Scheibsgraben von Wartberg, ist zum 40. Jubiläum der beiliegende, etwa 111 Jahre alte Bericht über einstige (oder heutige) Zeitrechungsprobleme des Wartberger Scheibsgrabens gewidmet.

 

Bericht des Amtes für Kalenderangelegenheiten der H&H Magistratur.

 

Viel gab’s im Amte zu tun. Das kam so:

Der Weiler Scheibsgraben,  im sonst - wie der Name schon sagt - so geduldigen Wartberg im steyrischen Mürztal gelegen,  hatte rastlos, seit Dezennien schon, um einen zweiten Dienstag in der Woche gebeten. Man war höheres Ortes nachgerade erstaunt, dass die Scheibser schon wieder etwas wollten. Hatte man ihnen doch kurz zuvor das kleine weiche „b“ in ihrem Grabennamen bewilligt, da ein paar Mal bösartige Unterstellungen vorgekommen sind.

Auch wollte man Forderungen der Nachgemeinde Mitterdorf hintanhalten, die wegen der örtlichen Nähe, für sich das Recht ableiten wollte, sich im Fasching aus dem selbigen widerlichen Umstand als der Nabel der Welt zu bezeichnen. Mit dem weichen "b" im Flurnamen zeigte sich auch die Kirche einverstanden, war damit jeder Spekulation der Boden entzogen, das enge Tal zu Füßen des Hundskopf stünde in irgendeiner Beziehung zu CHRISTI ANUS, das ja Synonym eines hohen kirchlichen Würdenträgers ist.

Das war schließlich begreiflich und nicht unbillig.

Aber der zweite Dienstag!?

Schon unter Kaiser Josef hatte es angefangen. Dieser aufgeklärte Monarch hielt es für Irrsinn. Doch die zähen Scheibser (jetzt schon mit einem weichen „b“) petitionierten wieder und immer wieder hartnäckig, wie eben nur Scheibser sein können.

Jetzt fing die Sache an, in weiteren Kreisen Beachtung, und zwar missbilligende Beachtung zu finden.

Dachte man doch allmählich tiefer über die Angelegenheit nach, und plötzlich sprang die Unvernunft des Scheibser Wunsches in ihrer ganzen grausamen Tragweite den Denkenden nackt vor die Augen.

Es gab zwei Möglichkeiten – eine schreckhafter als die andere. Zuerst die, dass der Scheibsgraben allmählich in eine andere Zeitrechnung treten würde – und dass es außer dem Julianischen und Gregorianischen auch noch einen Scheibsianischen Kalender geben würde.

Das neue Scheibser Millennium würde bald zur Weltsensation werden und einen ungeahnten Strom von reisenden Engländern, Amerikanern und anderen unnützen Menschen in den stillen Alpengraben führen. Diese Perspektive allein war dem fremdenfeindlichen Sinn der Gemeinde schon mehr als unerwünscht. – Dann aber tauchten schlimmere, weit schlimmere Bedenken auf.

Der unfromme Wunsch der Scheibser Grabenbewohner müsste notwendigerweise, sagten die Moralisten mystischer Richtung, auch üble Folgen kosmischer Natur nach sich ziehen, und es wäre sonnenklar, dass der unglückliche Graben allmählich – unmerklich zuerst – sich von der Erdrinde abheben würde. – Nach und nach würde er dann anfangen, um die Erdkugel zu kreisen, ein entsetzlicher, tieffliegender Mond, der auf seiner Bahn täglich grauenhafte Verwüstungen anrichten müsse. – Der ganze Breitegrad, auf dem der Scheibsgraben lag, fühlte sich in seiner Sicherheit bedroht. Deputation auf Deputation aus aller Herren Länder wurde bei der obersten Behörde vorstellig.

Da ritten Irokesen neben Korneuburgern, ungarische krummbeinige Magnaten in Trauergala, Kleinrussen, Mongolen, Chinesen, Franzosen, biedere Schwaben und Bayern – hinter ihnen jammernde Juden und den Jüngsten Tag erwartende Mohammedaner – kurz alles, was am Breitegrad vom Scheibsgraben lag, kam nach Wien und jammerte um Schutz für Haus und Herd.

Die Gelehrten malten das Grausige immer deutlicher aus. Etwas wie eine ungeheure, düstere Rübe, das untere Ende feuerflüssig, würde über die Erde schleifen, da die Juristen den Standpunkt vertraten, dass alles Kubikareal unterhalb der Grabens bis zum Mittelpunkt der Erde den Scheibsern gehören würde.
(Da würden man die Seelen der Verdammten in der Hölle mitschundern sehen, freuten sich die Frommen und Gerechten)

Andere Naturkundige warfen mit Recht ein, dass keine Rübe entstehen würde, sondern dass der abgehobene harte Felsrand des Grabens der nicht vom Zeitzuwachsschwindel betroffenen Umgebung sozusagen Wurstscheibe auf Wurstscheibe abschneiden werde.

Kurz es war grauenhaft.

Bittprozessionen wurden im ganzen Reiche abgehalten, an einzelnen Orten traten schon Geißler, Springprozessionen ja selbst Adamiten auf.

Überall regten sich auch die verborgenen Logen aller okkulten Schattierungen und hielten ein Symposion am Wechsel, dem steirischen Grenzgebirge mit einer Exkursion zum Teufelstein ab.

Der Großmeister der Templer in Antiochia, der Mahatma von Großwardein, der Superieur inconnu der Martinisten, ein goldbetreßter Marineur aus Triest, der Inspecteur des endroits bizarres von der Wieden, der Hagelmeyster von Tyrol, die Herren vom Heiligen Gral und von Rhodos, die Kronbewahrer von Trapezunt und Nikäa hatten sie einberufen.

Den Vorsitz führte, als einzige Dame, die erst 13-jährige Herzogin von Lians-Cours und von Mont Ferrat, kaiserliche Prinzessin von Byzanz und angebliche Nichte der Frau Holle aus Anthraxien. Für Unterkunft und das leibliche Wohl sorgte die Großmutter der eingeborenen Lauratania. Als Zeremonienmeister fungierte der Graf von Monte Antichristo, assistiert von der messianischen Jesa Christa H. Inrichter.

Sonderbare Züge pilgerten damals durch die tausendjährigen Wälder der Steyermark.


Was die Scheibser nun selber befürchteten und erkannten war auch nicht sehr tröstlich. – Loslösen würde sich der Scheibsgraben zwar nicht und zum zweiten Monde „Luna Secunda, sive Scheibsiensis“ werden – zu solch kosmischen Folgen sei die magische Kraft der dasigen Communalseele zu klein, - wohl aber würde Scheibs im „Raum-Zeitschwindel“ voraneilen, immer kleiner und kleiner werden, wie Häuslein in Nürnberger Spielzeugschachteln und schließlich im magischen Fluchtpunkt vernebeln.

Das hören und in Massen auswandern, war für die biederen aber materiellen Scheibsgrabler eins. Auch alles Getier, bis auf den letzten Vogel, in der Not sogar die wenigen Fische und ihren Laich nahmen sie mit. Auch alle Güter und Vorräte wurden abtransportiert, gerade mal ein Sack Mehl blieb zurück.
Die sonst so bedeutende Talschaft sank allmählich zum kleinen Graben von heute herab - der Rest der Scheibser bat weiter unter Tränen um einen zweiten Dienstag.

Endlich, nachdem nun noch der Heilige Stuhl durch ungeheure Zugeständnisse (an denen Österreich heute noch leidet) zum Schweigen gebracht war und dem Bischof von St. Pölten allsonntäglich 50 Zeilen als CHRISTI ANUS in der Kronenzeitung zugebilligt waren, gab der gütige Landesvater nach und bewilligte traurig einen zweiten Dienstag.

Ein Schrei des Entsetzens ging durch die ganze Welt. In dumpfer Resignation erwartete man das Allerschlimmste.

Es geschah aber gar nichts. – Die Scheibser hatten sich nur ungeschickt ausgedrückt und einen zweiten Milchliefertag in der Woche gewollt, der in ihrem Sprachgebrauch mit dem Begriff Dienstag identisch war. Dies, weil ihnen stets die Milch am Sonntag sauer wurde. Jetzt gaben sie Ruhe und waren froh, dass sie das zweite weiche „b“, das man ihnen als Ablenkung hatte geben wollen, immer mannhaft zurückgewiesen hatten. Vorwürfe wegen der obgenannten befürchteten Auswirkungen waren nunmehr haltlos. Auch die Unterstellung, sie hätten sich damit einen zweiten Faschingsdienstag verschaffen wollen, wiesen sie zurück.
Dieser Gnadenakt und die daraus resultierenden Neuerungen sollten im ganzen Reich durch Trommelschlag verkündet werden.

So ward denn das H&H Hoftrommeldepot in dem Eynhuf diente, mobilisiert und schuftete Tag und Nacht.

Frei übertragen nach einer Vorlage von Fritz von Herzmanovsky-Orlando
von Sepp Rothwangl. 
CEPP 245948. 11 Tage vor 11-11-1