Das Pluto-Charon System (Tagesweg im Modell 0.41 m) und der Kuiper Gürtel.

Pluto galt auf Grund seiner Entdeckungsgeschichte als der äußerste und neunte Planet des Sonnensystems, eine Bezeichnung, die im Lichte jüngerer Erkenntnisse revidiert werden muss. Pluto hat nämlich Eigenschaften, die für Planeten untypisch sind. So ist er viel kleiner als ursprünglich angenommen und hat mit Charon einen Begleiter, der etwa halb so groß wie er selber ist. Plutos Masse beträgt nur etwa 1/400 jener der Erde, bzw. 1/6 jener unseres Mondes. Pluto (Dm etwa 2300 km) und Charon (Dm etwa 1180 km) umrunden einander im Abstand von 19.700 km in etwa 6,4 Tagen, wobei die entsprechende Bahnebene fast senkrecht (118°) zur Bahn der beiden um die Sonne steht. Die Umrundung um die Sonne dauert für beide Himmelskörper 248 Jahre und diese Bahn ist mit 17° zur Ekliptikebene mehr geneigt und exzentrischer als bei allen Planeten. Ihr sonnennächster Punkt liegt bei 29.6 AE und der sonnenfernste bei 49.3 AE. Pluto und Charon kommen der Sonne für kurze Zeit sogar näher als Neptun, was in den Jahren von 1979 bis 1999 der Fall war. Die beiden Himmelskörper wurden bisher von keiner Sonde erforscht, dementsprechend spärlich und vage ist deswegen auch das Wissen über ihre Eigenschaften. Die NASA Sonde Pluto-Kuiper-Express sollte Pluto 2020 erreichen, aus Geldmangel wurde sie jedoch so sosehr verzögert, dass ein geeignetes Startfenster verpasst wurde.

Dass Pluto überhaut je den Rang eines Planeten erreicht hat, den er wohl nun wieder verliert, liegt in seiner Entdeckungsgeschichte. Der jeweilige Kenntnisstand der Menschen bestimmte in ihrer Geschichte nämlich wesentlich die Sichtweise und damit auch den Status von Himmelskörpern (nicht nur von Göttern) mit. Unser Bild von der Erde selbst, die vor 500 Jahren noch nicht als Planet galt, ist hier ein hervorragendes Beispiel. Plutos Entdeckung erfolgte ähnlich wie bei Uranus und Neptun auf Grund einer gezielten Suche aber mit falschen Erwartungen und eigentlich unerfüllbarer Zielsetzung. Wie zuvor vermutete man auf Grund von Bahnstörungen einen unbekannten Planeten. Ein Pionier auf dem Gebiet der Erforschung unseres Sonnensystems war der Amerikaner Lowell, der sich auch mit der (wie wir heute wissen irrtümlichen) Entdeckung der vermeintlichen Marskanäle und den folglich vermuteten Marsbewohnern am Beginn des 19. Jh. einen Namen machte. 14 Jahre nach Lowells Tod fand am nach ihm benannten Observatorium der junge Astronom C.W. Tombaugh beim sorgfältigen Scannen fotografischer Aufnahmen ein Objekt, das sich gegenüber dem Gewimmel der Fixsterne bewegt hatte. Man dachte, endlich den gesuchten neunten Planeten gefunden zu haben und nannte ihn am 13. März 1930 Pluto. Dieser Name wurde unter anderem auch deswegen gewählt, weil seine Anfangsbuchstaben den Initialen von Percical Lowell entsprechen, der damals seinen 75. Geburtstag gefeiert hätte. Pluto wurde anfangs mit Erdengröße und deren siebenfacher Masse völlig fehl eingeschätzt. Bald erkannte man aber die für einen Planeten recht untypischen Eigenschaften und mit der Verbesserung der optischen Geräte verringerte sich seine Größe auf die von Kleinplaneten (Asteroiden), die man schon ab 1801 seit der Entdeckung von Ceres durch Piazzi kannte. 1978 wurde schließlich der Plutobegleiter entdeckt und Charon benannt. 

Inzwischen hat man etwa 150 ähnliche Objekte entdeckt, die in einer mittleren Entfernung von 40 AE die Sonne umkreisen und wie das Pluto-Charon-System eine Resonanz von 2:3 zur Umlaufperiode des Neptun aufweisen. Ihre Durchmesser betragen in der Regel mehrere 100 km. Sie gehören zum sogenannten Kuiper-Gürtel, dessen Mitglieder mittlerweile Plutinos heißen, wobei es vermutlich viele tausend davon gibt. Zwar wurden in diesem äußeren Asteroiden-Gürtel noch keine Objekte entdeckt, deren Größe die von Pluto übertrifft, dennoch ist er doch erheblich kleiner als der Erdenmond oder manche Trabanten von Jupiter, Saturn, Neptun, dessen Mond Triton vermutlich ein von Neptun eingefangener Plutino ist. Würde man also Pluto erst jetzt entdecken oder hätte seine wirkliche Größe bei der Auffindung richtig erkannt, so würde er sicher nicht zu den Planeten gezählt, sondern einer Kleinplaneten des Kuiper-Gürtels sein, wie Brian Marsden der IAU (Internationale Astronomische Union) dies vorschlug. Bei den konservativen Mitgliedern des Lowell Observatorium löst dieser „Raub von Plutos Planetenwürde“ Unmut aus, bedeutet doch ein Kleinplanet für sie Prestigeverlust. Wie einst beim Streit, ob Erde oder Sonne im Zentrum ist, wiederholt sich so die Geschichte.

Pluto ist der römische Name des griechischen Gottes der Unterwelt, Hades, den die Seelen der Toten erreichen, wenn der Fährmann Charon sie über den Fluss Styx führt.

Hades/Pluto entführt Persephone in die Unterwelt.
Bild: Hades/Pluto entführt Persephone in die Unterwelt.