Betrachtung über den Beginn des Wassermannzeitalter.

Wie spät ist es also wirklich? In welcher Zeit leben wir? Sind wir nahe am Anfang (wie lange reicht die menschliche Erinnerung zurück) oder sind wir nahe dem Ende? (Wie weit in die Zukunft könne wir sehen). Alles hängt davon ab, was man zählt, wo man anfängt zu zählen und mit welchen Hilfsmitteln man zählt. Im Prinzip aber ist es egal, ob es die Frequenz einer Cäsium Atomuhr, ein Pulsar, eine Planetenperiode, ein Pendel oder einfach eine rohe Einkerbung in einem Felsen ist, um Sonne oder Mond am Horizont anzupeilen: alle messen Zeit in einer räumlichen Dimension.

Folglich wird auch umgekehrt der Raum, oder besser seine Ausbreitung in der Länge, durch die Zeit bestimmt, denn der Meter ist definiert durch die Menge an Zeit, die das Licht dafür braucht.

Die Zeit durch den Raum zu definieren und auszudrücken ist eine uralte menschliche Tradition und ist durch unzählige Mythen überliefert. Schon verwirrt? Keine Angst! Zeitrechnung nach althergebrachter Art ist leichter und billiger als mit Cäsium, weil man nur in den Himmel blicken muss.

In jeder linearen oder zyklischen Zeitmessung braucht es eine Orientierungspunkt, wo die Zählung beginnt, der voraus oder zurück liegen kann: Entweder ein Anfang, wie ein Weltschöpfungsereignis, wie eine Stadtgründung und wie ein Amtsbeginn; oder ein Ende, wie das Ende einer langen Kalenderperiode, und wie gar das wie immer vermutete Ende der Welt. Dies ist der wirkliche Zeitrahmen jeder historischen Erzählung, die einen Ankerpunkt in einem mythischen Ereignis sucht, wie ein Seemann eine weit entfernte Bergspitze anpeilt.

Die frühe christliche Chronologie verwendete solche mythische Ereignisse, wie die Erschaffung der Welt und richtete auf Grund eines biblischen Zeitrahmens den fiktiven Beginn der Weltenjahreszahlung (Anno Mundi) 5500 Jahre vor dem vermuteten Erscheinen von Christus ein. Für beide Ereignisse oder Mythen gibt es jedoch keine genauen Daten.

"Ich lebe hier und jetzt", sagt man und es stimmt: Aber wie kann man das jetzt definieren? Die Zeit ist flüchtig und so auch das jetzt. Oder wie der Spruch sagt: Morgen ist heute schon gestern. Wenn es also nur ein Jetzt gäbe, so gäbe es keine Vergangenheit und keine Zukunft, keine Geschichte und keine Erwartung.

Wen kümmert der Beginn des Zeitalters Wassermann?
Warum sollte das irgendjemand interessieren? Wer könnte Interesse an seinem Beginn haben und wer wollte es verhindern? 
In jeder Phase großer Umwälzungen, besonders dramatischer Ereignissen und zu Jahrhundertwenden und zum Millennium stellt sich der Menschheit die berechtigte Frage nach der Orientierung in den Weltzeitaltern.

Die Grundlagen dafür sind leicht zu erlernen für jederman/frau, wenn nur ein wenig Kenntnis vom Sternhimmel und der abendländischen Kultur gegeben ist und sollen an einem jetzigem Beispiel aufgezeigt werden: Wann beginnt das Wassermannzeitalter?

Aktueller Anlass dieser Betrachtung ist nicht nur das eben begonnene Jahrtausend und meine Ergebnisse über die Festlegung der Jahreszählung im Julianischen Und Gregorianischen Kalender durch Dionysius Exiguus, sondern auch eine kritische Analyse einer Arbeit von Univ.-Prof. Dr. Hermann HAUPT, die unter dem Titel "Der Beginn des Wassermannzeitalters, eine astronomische Frage?" im Anzeiger der Österreichischen Akademie der Wissenschaften veröffentlicht wurde (Haupt, 1992). Obwohl die Arbeit Haupts im folgenden kritisiert wird, ist dafür Dank auszusprechen, da er damit einen Grund schuf, dieses Thema zu diskutieren.

HAUPT zitiert dabei eingangs aus dem Lexikon der Astrologie von U. BECKER die astrologische Geschichtsbetrachtung, wonach jeder große Monat, d.h. jedes Weltzeitalter ca. 2150 Jahre dauere (Becker, 1981).  Das Widderzeitalter (2200 - 150 v. Chr.) hänge mit dem Alten Testament, das Fischezeitalter (150 v. Chr. - 1950 n. Chr.) mit dem neuen Testament  und schließlich das Wassermannzeitalter (1950 - 4000) mit dem Heiligen Geist zusammenhänge (Rosenberg, 1958).

Das Platonische Jahr ist sowohl eine wissenschaftliche Erkenntnis, als auch eine Wiederspiegelung des Mythos. Die Existenz dieses Jahres ist an die der Sternbilder gebunden. So gesehen sind beide Ausdruck menschlicher Visionen. Die Geschichtswissenschaft versucht induktiv aus den zahlreichen Geschehnissen die Zusammenhänge von Ursache und Wirkung herauszufinden. Der Mythos dagegen geht von der Schau des Ganzen aus, um induktiv von dieser aus die einzelnen Ereignisse des Lebens zu sammeln, zu ordnen und zu interpretieren. Mythos und Historie schließen einander nicht aus: Sie ergänzen einander. Wie das Beispiel der Jahreszählung zeigt, brauchen sie einander sogar, denn alle derzeitigen Historiker verwenden die Inkarnationszählung (Anno Domini), die auf völlig fiktiven mythischen Ereignissen basiert.

Ausschlaggebend für die Weltzeitalter ist die Dauer von etwa 25800 Jahren in welcher der Frühlingspunkt den gesamten Tierkreis umläuft, wie sich auf Grund der Präzessionskonstante nach dem derzeitigen Wissenstand ergibt. Teilt man das Platonische Jahr durch 12, so erhält man die oft genannte Anzahl der Jahre für den Weltenmonat (25800 : 12 = 2150). Dieser Wert ist allerdings ein Durchschnittswert, da die Sternbilder mit ihren unterschiedlichen Längen am Tierkreis in unterschiedlichen Langen Zeiten durchlaufen werden.

HAUPT stellt völlig richtig klar, dass die Ursache dieser Weltzeitalter nicht die Tierkreiszeichen sein können, die ja mit dem Frühlingspunkt sämtliche Tierkreiszeichen während des Platonischen Jahres durch alle Sternbilder wegen der Präzession mitverschoben werden. Der Frühlingspunkt durchläuft nämlich niemals die Zeichen sondern steht immer bei 0° im Zeichen Widder, dem Widderpunkt. Dieser Widderpunkt durchläuft jedoch ein Sternbild nach dem anderen. 

Die Sternbilder sind fiktive Figuren, die von den Fixsternen auf Grund menschlicher Vorstellungskraft überliefert wurden, wie Großer Wagen, Kassiopeia oder Löwe. Nach einer internationalen Vereinbarung gibt es 88 Sternbilder am Himmel. 13 davon befinden sich auf der Ekliptik (der scheinbaren Sonnenbahn auf Grund der jährlichen Erdbahn) und bilden die Sternbilder des Tierkreises: Wassermann, Fische, Widder, Stier, Zwillinge, Krebs, Löw, Jungfrau, Skorpion, Schlangenträger, Schütze, Steinbock. 
Die 12 Tierkreiszeichen aber ergeben sich durch die Teilung der Ekliptik in 12 gleiche Abschnitte, die mit Aries beim jeweiligen Frühlingspunkt beginnt, dem Schnittpunkt von Ekliptik mit dem Himmelsäquator. Ausgenommen der Schlangenträger, dem kein Zeichen entspricht, tragen die zwölf Tierkreiseichen die selben Namen wie die 12 Tierkreissternbilder, was aus einer Zeit vor etwa 2300 Jahren stammt, wo sie noch deckungsgleich waren. Meist werden die Zeichen durch ihre astrologischen Symbole ausgedrückt:

^ _ ` a b c d e f g h i
ARI TAU GEM CAN LEO VIR LIB SCO SAG CAP AQU PIS

Jede weitere Diskussion ist leider wertlos, wenn der Unterschied zwischen Sternbild und Sternzeichen und ihre Entstehungsgeschichte nicht wohlverstanden wird. Wir wissen leider nicht viel darüber wann die Sternbilder ursprünglich erfunden und geformt wurden, weil dies vermutlich viele Jahrtausende zurück liegt, aber wir haben Zeugnisse über die Entstehung der Sternzeichen.

Im weiteren geht HAUPT kurz auf die Entstehung der Sternbilder, ihre Definition und ihre Grenzen ein. Er erklärt ihre Entstehung aus Verbindungslinien zwischen hellen Sternen, aus denen durch die Phantasie der Menschen Figuren entstanden, die jedoch ursprünglich nicht durch Grenzen vom benachbarten Sternbild getrennt waren. Erst nach langwierigen Diskussionen erwies sich in neuerer Zeit eine solche Grenzziehung dringend notwendig, bis  endlich im Jahr 1928 bei der Konferenz der Internationalen Astronomischen Union (IAU) in Leiden die überwiegend von DELPORTE zusammengestellten Sternbildgrenzen angenommen wurden. Diese Grenzen verlaufen entlang von Stunden- bzw. Parallelkreisen bezogen auf das Äquinoktium von 1875 (Delporte, 1930).

Auf Basis dieser 1928 von der IAU angenommenen Grenzen ermittelt HAUPT den Beginn des Wassermannzeitalters in dem er den Übertritt des Frühlingspunktes über den Parallelkreis d =  - 4° zwischen den Sternbildern Fische und Wassermann berechnet und schreibt:
"Wenn auch natürlich nicht erwartet werden kann, dass die Astrologen sich an diese offiziellen Sternbildgrenzen halten, so soll doch der Versuch gemacht werden, den Eintritt des Frühlingspunktes in das Sternbild des Wassermannes zu berechnen."
Nach der üblichen Formel für die Präzession (GLIESE, 1982) kommt HAUPT auf das Jahr 2595.

Abschließend zitiert HAUPT einige Astrologen und deren Daten für den Übertritt in das Wassermannzeitalter und führt deren vermutete Jahreszahlen an: 1950, 1997, 2154 (C.G. JUNG)  und 1950, 2158, 2469 (ROSENBERG).
Er kommt in der Schlussbemerkung zum Fazit:
"Wie nur kurz gezeigt werden sollte, sind die Aussagen und Methoden der Astrologie in vielen Bereichen, wie z.B. hier in Bezug auf das Wassermannzeitalter, in sich widersprüchlich und können wegen ihrer zahlreichen esoterischen Elemente nicht als wissenschaftlich bezeichnet werden."

Der Vorwurf von HAUPT an die meist in Astronomie und Sternbildkunde völlig unwissenden Astrologen, die nur an Geburtshoroskopen und Charakterdeutungen interessiert sind, trifft völlig ins Schwarze, leider aber übersieht auch er mit seiner Berechnung des Beginns des Wassermannzeitalters eine wesentliche Basis, die in einer langgehegten menschlichen Tradition fußt.

Die Entstehung der Tierkreiszeichen

Die Idee der Tierkreiszeichen entstand vor etwa 2500 Jahren in der Babylonischen Sternkunde, wo erstmals die 360° der Ekliptik in 12 gleiche Teile zu je 30° eingeteilt wurden, und die selben Namen erhielten, wie die Sternbilder am selben Himmelsabschnitt.
Wir können darauf schließen, dass der Lauf des Jupiter für diese Einteilung verantwortlich ist, der für eine Umrundung der Sonne etwa 12 Jahre braucht. Sogar ein babylonischer Schöpfungsmythos eines Tontäfelchens liefert dafür den Hinweis:

1. Er (Marduk) schuf die Stationen der großen Götter;
2. Die Sterne, deren Bilder, und die Sterne am Tierkreis setzte er fest.
3. Er ordnete das Jahr und teilte es in seine Teile (mizrata);
4. Für die 12 Monate stellte er (je) drei Sterne hin.
5. Nachdem er die Tage des Jahres (...) (...) die Bilder;
6. Er begründete die Stelle des Nibir um ihre Grenzen festzulegen;
7. Damit niemand sich irre oder verloren gehe.
8. Er setzte die Station von Bel und Ea mit ihm darauf fest.

Nibir war ein spezieller Name für Jupiter wenn er im Meridian stand; und Merodach (Marduk) als die Gottheit dieses Planeten stellt sich daher dar, als ob er die Grenzen der Sternzeichen abschreitet durch seine Bewegung im Jahreslauf. Jupiter braucht etwa ein Jahr für jedes Zeichen (30°). Weil Jupiter etwa ein Drittel des Jahres rückläufig erscheint und sich dann von Ost nach West um etwa 10° bewegt, teilt er jedes Zeichen in drei gleiche Teile. Er markiert damit ein Drittel jedes Zeichens mit je einem Dekan, die 36 Dekane am ganzen Tierkreis ergeben.
Das Wort mizrata in der dritten Zeile erkennen wir im hebräischen Mazzaroth wieder, wo es die Einteilung oder Stationen des Jahres bedeutet  und den Zeichen des Tierkreisis oder den zwölf Monaten entspricht.
Siehe Hiob 38: 31-33: "Kannst du die Bande des Siebengestirns zusammenbinden oder den Gürtel des Orion auflösen? Kannst du die Sterne des Tierkreises (Mazzaroth) aufgehen lassen zur rechten Zeit oder die Bärin samt ihren Jungen heraufführen? Weißt du des Himmels Ordnungen, oder bestimmst du seine Herrschaft über die Erde?"
In diesem Zusammenhang ist auch das arabische wort Al manazil, d.h. die Häuser oder Stationen des Mondes und das hebräische Mazzaloth (2 Könige 23,5) zu erwähnen, wo Josuah die Götzenpriester absetzte, die dem Baal, der Sonne, dem Mond, den Planeten und all dem Herr am Himmel (Mazzaloth) geopfert hatten.

Die Anfänge der Zeichen waren jedoch ursprünglich nicht an den Frühlingspunkt geknüpft, wie KUGLER, van der WAERDEN und NEUGEBAUER nachwiesen, sondern mit bestimmten hellen Sternen der Sternbilder verbunden.
Ein Sternkatalog aus dieser Zeit liefert sogar einen Beweis dafür (Sachs, 1952), denn dort sind die Längen der Sterne in Bezug auf den Beginn der Zeichen angeführt. Wie P. Huber an Hand dieser Sternpositionen zeigte, war um etwa 100 BCE der Frühlingspunkt 4° 28' +/- 20' entfernt vom Anfangspunkt des Babylonischen Zeichens Aries.

Die babylonischen Daten der Längen dieser Sterne sind:

Babylonischer Name und Bayer Verz.

 Grade im babylon. Zeichen

Lende des Löwen (delta Leonis)       

20° Löwe

Hinterfuß des Löwen (beta Virginis)      

1°   Jungfrau

Wurzel des Kornhalms (gamma Virginis)    

16° Jungfrau

Heller Stern des Kornhalms (alpha Virginis)   

28° Jungfrau

Südliche Waagschale   (alpha Librae)      

20° Waage

Nördliche Waagschale   (beta Librae) 

25° Waage

 

Auf Grund der Daten dieses Sternkataloges ergibt sich eine Sternkarte mit der Lage der babylonischen Sternzeichen und den Kardinalpunkten für etwa 150 BCE.


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Bild: Die Lage der Sternzeichengrenzen von Stier, Zwillinge, Krebs, Löwe, Jungfrau auf Grund babylon Tafeln bzw. um 150 BCE.

 


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Bild: Die Lage der Sternzeichengrenzen von Waage, Skorpion, Schütze und Steinbock auf Grund babylon Tafeln bzw. um 150 BCE.

 


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Bild: Die Lage des Frühlingspunktes und der Sternzeichengrenzen  Wassermann, Fische, Widder und Stier auf Grund babylon Tafeln bzw. um 150 BCE. 

Mit dieser Einteilung und Lage der Tierkreiszeichen wurde ohne auf die Verschiebung durch die Präzession Rücksicht zu nehmen bis in die seleukidische Zeit gerechnet.
Wie der römische Architekt Marcus Vitruvius Pollio in seinem Buch IX de Architectura vor 2000 Jahren schreibt, erreicht die Sonne die Äquinoktien und Solstitien im achten Grad (das 7° unserer Zählung entspricht, da Vitruvius keine Null zählte) des jeweiligen Zeichens von Aries, Cancer; Libra und Capricorn. Dieser Wert würde allerdings wieder andere Zeichengrenzen als bei den Babyloniern bedeuten, aber er zeigt, dass früher die Zeichengrenzen nicht an den Beginn der Äquinoktien und Solstitien geknüpft war.
Ein Grund dafür, warum die Zeichen bei 7° vor den Äquinoktien beginnen, könnte sein, dass Vitruvius seine Kenntnis Berossos und den Chaldäern verdankt, die er oftmals in seinem Buch erwähnt.
Seit Ptolemaios wurde der Anfangspunkt der Zeichen, der Widderpunkt mit dem Frühlingspunkt, dem Schnittpunkt von Ekliptik und Äquator identifiziert.

Es ist daher auch nicht so grundlegend falsch, wenn jemand behauptet der Frühlingspunkt bewegt sich entlang der Zeichen, insofern sich die Behauptung ausdrücklich auf das babylonische Sternzeichensystem bezieht. Dass bei den derzeitigen Horoskopstellern dieses Wissen und dieser Bezug vorausgesetzt werden kann, bezweifle ich allerdings, denn die wahren Sternbilder oder gar die Sternnamen kennt kaum jemand von ihnen und ihre Berechnungen und Prognosen basieren immer auf der derzeitigen Ephemeriden und Zeichen.

Frühe Zeugen der Präzession

Die Präzession und der mit ihr verbundene Wandel der Frühlingssternbilder ist nicht eine Erkenntnis, die erst seit Hipparchos evident ist, sondern sie spiegelt sich in vielen Mythen von  Götterdämmerungen, Kultwandel und vergangenen Zeitenwenden.
Die früheren Frühlingssternbilder fanden ihren Ausdruck in den Symbolen der vergangen vier Weltzeitalter:
Zwillinge: Goldenes Zeitalter, Paradies, Romulus und Remus, Kain und Abel, usw. (vor ca. 8.000 Jahren).
Stier: Apis, Taurus/Minotaurus, Gold Kalb, Baal, Nandhi (vor ca. 5.800 Jahren).
Widder: Amun, Goldenes Vlies, Moses mit den Widderhörnern ( vor ca. 3.500 Jahren).
Fische: Fische als christliches Symbol, ICHTHYS, IHS, Vishnu aus einem Fisch geboren (vor ca. 2000 Jahren).

Wie die vielen Zeugnisse von alter Sternkunde zeigen, wurde als die wichtigste Erscheinung das Morgenerst angesehen, also der heliakische Aufgang eines Sterns, der als wesentlichste Beobachtung zur zeitlichen Orientierung diente. Als ein Beispiel sei das mulAPIN genannt, ein babylonischer Katalog von Sternen, der die heliakischen Aufgänge der 36 wichtigsten Fixsterne enthält, die Vorgänger der 36 Dekane waren. Diese 36 Dekansterne finden sich auch auf zahlreichen ägyptischen Grabdeckeln, wie dem Kenotaph von Seti I, oder am berühmten Zodiac von Dendera. Die Dekane lagen südlich der Ekliptik und hatten für jeweils 10 Tage die ihnen zugeordnete Gültigkeit und Bedeutung für die Zeitrechnung. Jeweils drei dieser Dekane wurden in der Folge dann jenem Sternbild auf der Sonnenbahn zugeordnet, das zur selben Zeit des Jahres am Horizont aufging. Daraus ging die Einteilung der Sternzeichen des Tierkreises hervor. (Waerden, 1965). Der entscheidende Punkt in dieser Tradition der Sternbeobachtung war, wann jeweils die erste Sichtbarkeit eines Sterns oder Sternbild am Horizont gegeben war, denn dies war von wichtigster Bedeutung für Bestimmung der Zeit, die oft mit dem Schicksal gleichgesetzt war.

Diese Jahrtausende lang gültige Weltanschauung der Menschheitstradition lässt HAUPT völlig außer acht und berechnet den Übertritt des Frühlingspunktes nach der willkürlich vor etwa 70 Jahren gezogenen Grenze zwischen den Sternbildern Fische und Wassermann, die genauso gut auch 4° nördlich entlang des Himmelsäquators gezogen werden könnte, wodurch allerdings eine Diskussion überflüssig wäre und das Zeitalter Wassermann offensichtlich sofort beginnen würde, auch wenn die Berechnungen nach der Art  HAUPT angestellt werden.


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Bild: Frühlingspunkt 2000 und Sternbildgrenzen zwischen Fische und Wassermann von IAU (1928), bzw. entlang dzt. Himmelsäquator (grob gepunktet).

 

Wie und mit welchen Methoden dieser Beginn ermittelt werden kann, zeigt die kulturgeschichtliche Dimension auf, die meist übersehen wird. Der Wechsel der Zeitalter hat aber auch die religiöse Komponente, die etwa mit dem Stern von Bethlehem zu vergleichen ist oder der Erwartung von Gläubigen auf die Wiederkehr Gottes.

Es ist daher eine andere Herangehensweise an das Thema erforderlich und zusätzlich zur rein modern astronomischen sind sowohl eine kalendarische als auch eine archäoastronomische und andere Betrachtungsweisen nötig, denn diese Frage ist nur interdisziplinär zu lösen.

Verschiedene Betrachtungsweisen erzeugen zwar kein präziseres Ergebnis, machen die Antwort aber verständlicher und transparenter.

Verschiedene Sichtweisen über Beginn eines Zeitalters

Wird der Anfang des Weltzeitzeitalters, der Ära oder der Epoche nämlich von verschiedenen Blickpunkten aus bedacht und entscheiden daher auch verschiedene "Schiedsrichter". Die absolut richtige Entscheidung, wann das Wassermann - Zeitalter anfängt, scheint ein unlösbares Problem zu sein und zukünftige Generationen, die Einführung eines neuen Kalenders und eine Flut von Papier wird darüber urteilen.
Ein kurzer Überblick auf einige Gesichtspunkte soll jedoch versucht werden, der hilfreich bei der Betrachtung ist, wann das Wassermannzeitalter beginnt.

1.  Astronomische Ansicht: 

Das neue Zeitalter fängt an, wenn der Widderpunkt (NSE) die 1928 festgelegte Grenze zwischen zwei Sternbildern überschreitet  (z.B. Fische-Wassermann). 
In der Diskussion dieser Ansicht ist der Schnittpunkt der Sonnenbahn (Ekliptik) und des Himmels- Äquators, der Widderpunkt,  entscheidend, der relativ leicht mit Hilfe von Formeln der durchschnittlichen Himmelsbewegungen bestimmt werden. 
Der Moment aber, wann die wirkliche Sonne zum nördliche Frühlingsbeginn in ein neues Sternbild eintritt, kann nicht so genau entschieden werden, weil die Erde sich auf ihrer Bahn um die Sonne wegen des Mondumlaufs nicht gleichförmig bewegt. Die Erde bewegt sich auf ihrem Orbit nämlich, je nach dem ob der Mond zu oder abnimmt,  langsamer oder schneller auf ihrer Bahn. Der Unterschied in den jeweiligen Jahreslängen kann 16 Minuten ausmachen. In 16 Minuten aber wandert die Sonne entlang der Ekliptik etwa gleichweit weiter (0°.011), wie der Frühlingspunkt um Durchschnitt pro Jahr (0°.013). Durch dieses Faktum kann sich der wirkliche Übertritt der Sonnenmitte zum Frühlingsbeginn in das neue Sternbild um ein Jahr verschieben, je nachdem wie der Mond steht. Die Mondstellung wird allerdings bei der üblichen Berechnung der Präzession nicht berücksichtigt, die auf der durchschnittlichen Jahreslänge beruht. Das Hereinwandern der Sonne über die Grenzen der Sternbilds Wassermann, das ja von der Erdbahn um die Sonne bewirkt wird, müsste folglich wie der Fußball am Tor von einem Schiedsrichter überwacht werden und die weitere Frage taucht auf: Was gilt als Übertritt? Gilt, wenn die Mitte der Sonne über diese Grenze getreten ist, oder der Rand, oder die ganze Sonnenscheibe? Allein diese Entscheidung verursacht, da die Sonnenscheibe etwa einen halben Grad Durchmesser hat, eine Differenz von ca. 36 Jahren für den Zeitalterbeginn. Kurz erklärt: Wegen der durchschnittlichen Präzessionsbewegung verschiebt sich der Frühlingspunkt in 71.66 Jahren um 1°. Folglich braucht er etwa 37 Jahre um ein halbes Grad zu verschlingen, was dem Durchmesser der Sonnenscheibe entspricht. Es zeigt sich also, dass der Durchschnittswert des Übertritts über die Sternbildgrenze zwar genau berechnet werden kann, aber nicht der Wirklichkeit entspricht, sondern nur ein Durchschnitt ist, denn ein genaues Datum würde neue genaue Definitionen benötigen und eine extrem genaue Messung, die sich selbst ad absurdum führen würde.

Zusätzlich würde die IAU - Konferenz von 1928 in Leiden, welche die Grenzen der Sternbilder im Himmelsatlas neu festlegte, das wichtigste Entscheidungskriterium sein, was wohl kaum in deren Sinn oder Kompetenz lag.  Kein achtbarer Astronom kann so eine Frage entscheiden und würde sich wohl auch nicht zu solch einer "astrologischen" Entscheidung hinreißen lassen.
Aber welches Schiedsgericht könnte solch ein Problem entscheiden?
Die Grenzziehung von 1928 hätte nämlich ganz eigenartige  Folgen, würde man sie nicht nur für die Zukunft verwenden, sondern gleichsam proleptisch auch zur Berechnung für den Eintritt der vergangenen Zeitalter: Um 100 v. Chr. wäre die Frühlingssonne erstmals in das Sternbild Fische und hätte um 1600 CE sogar für einige Jahre in das Sternbild Cetus (Walfisch) übergetreten, um danach wieder bis etwa 2500 im Sternbild Fische zu zurückzukehren.


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Bild: Sternbildgrenze Fische -Walfisch mit Frühlingspunkt um 1600 CE.

Noch paradoxer wäre aber der Übertritt von Stier zu Widder an Hand dieser neufestgelegten Grenzen. Wegen des Grenzverlaufs zwischen diesen Sternbildern wäre die Frühlingssonne, nachdem sie sich seit etwa 4550 im Stier befand, um etwa 2000 BC in das Sternbild Widder eingetreten. Sie würde es aber nach kurzer Zeit wieder in Richtung Stier verlassen haben, wonach sie etwa um 1800 BC erneut in das Sternbild Widder eingetreten wäre. Der willkürliche Zickzackkurs dieser Sternbildgrenzen mag für Astronomen praktisch sein, der Logik entspricht er genauso wenig, wie manche auf der Landkarte gezogenen politischen Grenzen auf der Erde.


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Bild: Sternbildgrenze Stier-Widder mit Frühlingspunkt um1500 BCE.

Einen weiteren Kritikpunkt an dieser Sternbildgrenzziehung liefert auch die südwestlichste Region Sternbilds  Fische, die sogar bei manchen Sternkarten in die Verbindungslinien der Wassermannsterne eindringt, was zu vermeiden wäre, wenn diese Grenze weiter nördlich verliefe. Dies hätte dann einen wesentlich früheren Beginn des Wassermannszeitalter zur Folge, wenn es nach dem Modell von HAUPT berechnet wird.
Man braucht kein großer Prophet zu sein um diesen Grenzen keine ewige Lebensdauer vorherzusagen, noch dazu weil sie sich wegen der durch die Präzession bedingten Verschiebung des Himmelsäquators immer mehr "aus dem Lot" des Jahres 1875 geraten.


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Bild: Die IAU Sternbildgrenzen zwischen Fische und Wassermann dringen in die Verbindungslinien des Sternbilds Wassermann ein.

 

2. Archäoastronomische Sichtweise: 

In alten Zeiten waren es mehrere Kriterien, die entschieden, wann eine neue Ära bzw. Zeitalter begann: 
Ein neues Sternbild am östlichen Horizont vor Sonnenaufgang am Morgen des Frühlingsäquinoktiums hat das vorherige, den Frühlingsmorgen ankündigende Sternbild zur Gänze auf Grund der Präzession unter den Horizont verdrängt. Derzeit hat das Sternbild Wassermann jenes der Fische verdrängt, denn kein Stern der Fische ist in der Dämmerung des Frühlingsmorgens mehr sichtbar. Zugleich hat sich im Westen das gegenüberliegende Sternbild über den Horizont erhoben, was z. B. vor etwa 2000 Jahren mit Virgo, der Jungfrau, der Fall war und durch Beobachtung seines Hauptsterns Spica, der Kornähre, (griech. era) zu Begriffen wie Ära führte. Derzeit hat sich im Westen bereits das Sternbild Löwe über den morgendlichen Frühlingshorizont geschoben.
Die Präzession läuft allerdings sehr langsam denn in 71,66  Jahren verschieben sich die Sternbilder um nur 1° gegenüber dem Frühlingspunkt, doch das Auftreten eines neuen Frühlingssternbild steigerte die Erwartungshaltung und förderte seit jeher die genaue Beobachtung und Deutung aller Himmelsphänomene. Kündigte eines Sternbild das Morgenrot des Frühlingstages an, so wurde gewartet bis ein besonders seltenes Himmelsereignis eintrat, das man als Zeichen der Himmlischen Gottheiten ansah.

Dieses bemerkenswerte Himmelsereignis schien gegeben, wenn signifikante Planetenkonjunktionen auftraten und das neue Zeitalter auslösten.

2 a) Solch ein Auslöser war dann einerseits eine dreifache Konjunktion von Jupiter und von Saturn, die im griechischen Mythos als ein Ringen der Götter um die Vorherrschaft in einem neuen Äquinoktialsternbild angesehen wurde:
Konjunktion des arabischen Volkes 571 CE;  Stern von Bethlehem 7BC;  Persepolis 523 BC;
Konjunktion von 1536 BC (Moses?); Wettrennen von Zeus und Chronos, das sich im Wettlauf von König Oinipides und Pelops widerspiegelt und der mythischen Ursprung der antiken Olympischen Spiele war.

2 b) Andererseits verursachte auch eine obere Konjunktion aller mit klassischen Planeten (inklusive Sonne und Mond), wie die Wiederkehr des Großen Jahres, bzw. von Aristoteles Größtjahr genannt wurde, den Beginn eines Zeitalters. In der Antike hatte man die Ansicht, da danach die Planeten ihren Lauf wieder von neuem beginnen, auch die Zeit selbst, die man von den Planeten erzeugt glaubte, würde von neuem zu laufen beginnen und sich alles vom Anbeginn der Welt sich wiederholen:
Kali Yuga 3102 BC,  Zhuanxu 1953 BC, die Einrichtung der Anno Domini Zählung, die auf das Jahr 2000 abzielte, das olympisches Symposion usw.

Auf Grund der Präzession ist zum derzeitigen Frühlingsbeginn vor Sonneaufgang kein einziger Stern des Sternbild Fische mehr am Himmel zu erkennen und der Wassermann ist bereits als Ankünder des neuen Frühlingstages nachgerückt. 


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Bild: Derzeitiger östlicher Horizont vor Morgendämmerung zum Frühlingsäquinktium (ca. 30° nördl. Breite)

Auch im Westen erhebt sich bereits das Sternbild Löwe über den Horizont des Frühlingsmorgens und steigert die Erwartung nach einem neuen Zeitalter.
Nach traditioneller antiker Ansicht ist das Jahr 2000 Anfang eines neuen Großen Jahres, weil am 5. Mai 2000 eine Konjunktion aller klassischen Planeten (Größtjahr) stattfand. Es gibt handfeste und klare Hinweise, dass auch die Einrichtung der christlichen Inkarnations- Jahreszählung auf das Ende des Zeitalters Fische im Jahr 2000 abzielte.
Siehe Webseite: Festlegung der Jahreszählung.

Es gab in der Antike aber auch andere Himmelsereignisse, die einen unvergesslichen Eindruck in der menschlichen Geschichte hinterließen und so als vergangenes Geschehen oder als zukünftige Erwartung zur zeitlichen Orientierung verwendet wurden. Dass schon vor 2500 Jahren wissenschaftlich berechnete Finsternisse kriegsentscheidend sein konnten, ist uns durch Herodot I 74 überliefert worden:
"Als sie den Krieg auch im sechsten Jahre unentschieden fortsetzten, trat dies Ereignis ein:
Noch während der Schlacht wurde der Tag plötzlich zur Nacht. Diesen Wechsel des Tages hatte Thales von Milet den Ioniern vorausgesagt."
Auch Xenophanes bewunderte Thales für diese Voraussage (Diogenes Laertios I 23), die für die vorbereiteten griechischen Ionier den entscheidenden Vorteil gegenüber den Medern brachte. Nach modernen Berechnungen muss es sich dabei um die Finsternis vom 28. Mai 585 BCE handeln.
Die vorwissenschaftliche Sternkunde ist uns vielfach nur in Mythen überliefert und hier betreten wir allerdings breiten Raum für Spekulationen und Interpretationen. Dass sie jedoch Wissensstand in einer uns verloren gegangenen Sprache ist, wird oft hochmütig übersehen. Die zeitgenössische Mythologie nennen wir Wissenschaft, sagt dazu Anthony Aveni in seinem Buch Dialog mit den Sternen.
 Dennoch soll kurz der Versuch unternommen werden, weitere Himmelserscheinungen, über die Mythen berichten, als entscheidende Anlässe zeitlicher Wenden darzustellen.
Finsternisse von Sonne und Mond wurden als Zeichen von Veränderung oder Ende, und Kometen als Unglücksbringer angesehen und konnten den Fall des herrschenden Paradigmas beschleunigen.

So lautet eine Strophe der Lieder Edda:
Eine Tochter gebiert den Alfenstrahl
bevor Fenrir sie anfährt.
Dieses Mädchen soll reiten,
dann, wenn die Regenten sterben,
der Mutter Bahnen.

Wie Ralf Koneckis zeigte, ist dies eine bildhafte Beschreibung einer Sonnenfinsternis, die er mit jener zum Neujahrstag des Jahres 865 CE in Verbindung bringt. (Koneckis, 1994)

Eine Interpretation dieser Zeilen könnte etwa lauten:
Das neue Jahr beginnt zur Wintersonne,
ehe sich diese verfinstert.
Diese neue Jahreszählung soll dann gelten,
wenn der Wechsel stattfindet,
anstatt der alten.

Das Eingreifen Fenrirs, der wohl als der Finsternisverursacher zu sehen ist, leitet offenbar eine neue Zeit ein, wenn die Edda sagt:
Eine neue Sonne taucht aus den Fluten empor, kein Wolf bedroht mehr die Schöpfung, denn Wider, Odins schweigsamer Sohn, hat mit einem Fußtritt den Fenriswolf getötet und den Vater gerächt.

Es besteht die Vermutung, dass sogar dem Märchen Rotkäppchen solch ein Finsternisbericht zu Grunde liegt.
Die Edda verknüpft das auch Weltenende mit einer Sonnenfinsternis, wo es in Völuspa 57 heißt: "Sol ter sortna ..." (Die Sonne wird schwarz). Ähnlich klingen auch die Worte der Offenbarung des Johannes, die über die Endzeit berichtet: Die Sonne wurde dunkel wie eine schwarzer Sack, und der Mond wurde wie Blut. (Offb 6,12)
Auch das Evangelium berichtet von einer Finsternis der Sonne, die beim Kreuzestod Jesu von der sechsten bis zur neunten Stunde hereinbrach. Diese ist jedoch wie vieles andere nur eine religiöse literarische Vision, denn weder fand in der fraglichen Zeit eine Finsternis statt, noch kann sie drei Stunden dauern.
Eine tatsächliche stattgefundene Mondfinsternis zur Zeit Herodes des Großen falsifiziert jedoch entweder die christliche Jahreszählung oder das Evangelium: Die Todeszeit von Herodes, lässt sich nämlich wegen einer Mondfinsternis recht genau rekonstruieren. In den letzten Monaten der Krankheit dieses Königs rissen jüdische Fanatiker unter Führung des Schriftgelehrten Matthias den goldenen Adler vom Tempeltor herunter, den Herodes dort hatte anbringen lassen. Die Eiferer büßten ihre Kühnheit aber am Scheiterhaufen in einer Nacht, wo eine Mondfinsternis eintrat. Als solche kommt nur die in der Nacht  von 15. auf 16. September  des Jahres 5 v. Chr. in Betracht. Bald danach verstarb Herodes und seine Leichenfeier fand kurz vor dem Passahfest 4. v. Chr. statt. Da bei Matthäus aber in seinem Magierbericht auch Herodes vorkommt, stimmt wenigstens eines von beiden nicht: entweder das Evangelium, oder die Jahreszählung.

Ebenfalls eine Mondfinsternisschilderung ist das Märchen vom Wettlauf zwischen Hase und Igel, wobei nach dem 73. Lauf der Igel den Sieg davonträgt, und dem Mondhasen des Blut aus dem Hals quillt. Vermutlich drückt es auch den Übergang von Mondkalendern zu Sonnenkalendern in den nordischen Kulturen in bildhafter Weise aus.
Siehe Webseite: Hase und Igel

In der Geschichte der Sternkunde spielten natürlich auch Kometen eine wichtige Rolle und sie können, wie uns Beispiele zeigen, massiv in die Erdgeschichte eingreifen. Der Komet Shoemaker-Levi 9 hat uns von 16. - 22. Juli 1994 eine Kollision mit Jupiter vor Augen geführt. Am 30. Juni 1908 kam es über dem Tunguska-Gebiet in Sibirien zur Kollision mit einem Himmelskörper. Vermutlich handelte es sich dabei um keinen Kometen sondern um einen Steinmeteoriten. Der etwa 100  Meter große Himmelskörper explodierte in der Luft bereits in etwa 6 - 8 km Höhe und verwüstete die Umgebung im Umkreis von 30 km, wobei die Bäume in dem glücklicherweise komplett unbesiedelten Areal umgeworfen und teilweise verbrannt wurden.
Auch in der bildenden Kunst hinterließen Kometen Spuren: Der Renaissance Maler Giotto hat um 1300 CE in der Scrovegni Kapelle von Padova das berühmte Bild der Geburt Jesu gemalt, und dort den Stern der Magier als Komet dargestellt, da Giotto selbst den Halleyschen Kometen sah, der alle 74 Jahre in Erdnähe kommt. Diese Darstellung wird bis in heutige Zeit kopiert und führte zu falschen Vorstellungen des dem Stern von Bethlehem zu Grunde liegenden Himmelsereignisses.
Sogar in der frühen Astrologie hinterließen die Kometen Spuren. Nach Caesars Tod erschien ein Komet am Himmel, den das Volk "sidus Julium" nannte, und als sicheren Beweis für die Aufnahme des Diktators unter die weltbeherrschenden Gestirne sah. Daher legt Shakespeare der Gattin Caesars die Worte in den Mund: Kometen scheinen nicht, wenn Bettler sterben.

Gerade in diesem Zusammenhang liefert die jüngste helle Kometenerscheinung eine interessante Parallele:
In der Nacht zum 6. April 1997, der 1001 Nacht zum Jahr 2000, der hellsten Nacht des Kometen Hale Bopp starb Allen Ginsberg, der Poet und Prophet der Beat- Generation, die in der Hippie und Peacebewegung und im Musical "Hair" mit dem Song "Aquarius" seinen Ausdruck fand.

Ginsbergs berühmtestes Gedicht "Howl" beginnt:

I saw the best minds of my generation destroyed by madness,
 starving hysterical naked,
 dragging themselves through the negro streets at dawn looking for an angry fix,
angelheaded hipsters burning for the ancient heavenly connection
to the starry dynamo in the machinery of night,...

Vergessen wir nicht, dass sich damals eine Reihe von Mitgliedern von Weltuntergangssekten selbst ihren Leben ein Ende bereiteten, vermutlich in der Annahme, damit einem noch schrecklicheren Ende zu entgehen.

3.  Literarische und künstlerische Ansicht: 

Eine Epoche (von griech. epoch, innehalten) wird in der Astronomie ein bestimmter Zeitpunkt genannt, auf den sich bestimmte astronomische Zahlengrößen wie. z.B. Ephemeriden beziehen. (Die Ephemeriden beziehen sich immer auf ein bestimmtes Jahr, das ist die Epoche in der sich Gültigkeit haben). In der Literatur und Kunst aber wird eine Epoche durch das kulturelle Gefühl der Menschen verursacht, die sich ihrer eigenen Geschichten bewusst werden, in der sie besonders beeindruckende Ereignisse erleben, die sich in ihr Bewusstsein tief einprägen und es in ihren Werken zum Ausdruck bringen. In Erzählungen, Epen (Mythen, Märchen, Religion) erinnern sich die Menschen dieser Epoche machenden Geschehnisse, in dem sie mitunter auch die Zeit danach zählen oder Feste feiern.  In der Vergangenheit waren diese Mythen: altes und neues Testament der Bibel, die griechischen Mythen, Hindu- Mythen, nordische Märchen, Veden, Shanameh und sonstige unzählbare Schätze der menschlichen Erzählkunst und Literatur.

Als Beispiele seien das christliche Fische Symbol erwähnt und das Fest der Inkarnation (Maria Verkündigung) am 25. März dem früheren Frühlingstag im julianischen Kalender vor 2000 Jahren. Oder der auf noch ältere Quellen basierende persische Mythos Shanameh, wo des Helden Geburtstag zu Nauroz (neuer Tag) gefeiert wird. Dieser Tag ist im traditionellen persischen Kalender Neujahr zu Frühlingsbeginn und der Mythos erzählt darüber:
"Schlummere nicht länger! Wirf ab den süßen Schlaf und denke an die Zeiten die kommen werden, denn von heute an wird sich alles ändern, es werden neue Festtage und Sitten die alten ablösen, denn heute Nacht wurde Shah Kai Chosrau geboren."

Zu seiner Inthronisation rief Shah Kai Chosrau aus:
"Die ganze Welt ist mein Königreich. Mein ist alles, von den Fischen bis hinab zum Haupt des Stieres".
Diese Worte drücken klar aus was eigentlich gemeint ist, denn zwischen Taurus und Fische befindet sich nicht weniger als Aries und sein zugehöriges Zeitalter.
Auch das Jüdische Passahfest erinnert an den Übergang vom Frühlingssternbild Stier zu Widder, als während des Exodus die jüdischen Stämme wieder dem Goldenes Kalb opferten und Moses die zehn Gebote zerschlug, weshalb er oft mit Widderhörners dargestellt wird.

Bild: Michelangelo, Moses mit Widderhörnern, Vatikan

Es liegt in den Händen jedes Einzelnen, den Einfluss einer neuen Epoche machenden Kultur zu erkennen.  Moderne  Beispiele aus der Musik: das Musical Hair mit seinem Song Aquarius, Rocky Horror Picture Show mit Time Warp ...; 
aus der Wissenschaft: Mondlandung, Clooning, Atomenergie ...;
aus der Politik: Friedensbewegung, Generation X, Internet, WTC Terror ... usw.

4. Etymologische Ansicht: 

Der Begriff Zeitalter impliziert die Frage nach dem Alter der Welt und war schon in der ausgehenden Antike Anlass für fragwürdige religiös begründete Chronologien, die auf  Kosmologien wie den biblischen Schöpfungsbericht fußten und die der darauf basierende Anno Mundi Chronologie hervorbrachte.
Generell könnte man sagen: Ein Weltzeitalter bedingt einen eigenen Kalender und begründet eine neue Ära oft auch New Age genannt mit einer neuen Zeitrechnung.

4 a) Das Wort Kalender kommt von den Kalaende, dem ersten Tag des Monats, der durch römische Priester ausgerufen wurden, deren Oberster der Pontifex war und dessen Titel der Papst von den heidnischen Römern übernahm. Der Kalender wurde das mächtigste Instrument um Menschen zu synchronisieren, sozialisieren und Orientierung zu geben, aber auch zu regieren und manipulieren.

4 b) Der Begriff Ära kommt, wie schon erwähnt, vom Griechischen era (= Kornähre).  Spica hatte bei den alten Griechen den Namen era.  Era/Spica ist die Kornähre, die das bildhafte  Sternbild der Jungfrau in seinen Händen hält. Mit Hilfe von Era/Spica haben der griechische Astronom Hipparchos und später Ptolemaios die Präzession der Erdachse gemessen und auf 100 Jahre pro 1° geschätzt. Für ein Zwölftel des Tierkreises (30°) ergibt dies 3000 Jahre.
Römisch/lateinischer Name von Era/Spica war "arista".  Aus "geboren in neuen Ära" oder "in der Konstellation Jungfrau geboren"(Virgo wurde wegen der Präzession zum neuen Frühlingssternbild am westlichen Himmel) entstand der Begriff  "aristokratisch" und drückt das gehobene Lebensgefühl aus.  Aristokratie, jungfräuliche Geburt und schließlich das Dogma der Unbefleckten Empfängnis wurden Symbole und Dogmen dieser Weltansicht.  Auch deutsche Wörter wie Ehre leiten sich davon ab.

4 c) Das griechische Wort ICHTHYS, für das neuen östlichen Frühlings-Sternbild Fische wurde erstes christliches Symbol neues zeitliches Paradigma und findet sich noch immer in der Abkürzung IHS auf allen Kirchen.
Im  Glauben der Christen gilt das alte Testament (mit vielen Bezügen zum Widder) nur bis zum Auftreten von Jesus, und wurde danach durch das neue Testament  abgelöst.

4 d) New Age,  Neues Zeitalter erklärt sich vom Altern (älter werden) und kommt vom lat. ago (handeln, agieren).  Es beschreibt eine neue Art von Handlungsweise in einem neuen Zweitalter.  Im neuen Zeitalter, so diese Weltanschauung, ist das ehemalige (alte) Paradigma und Sichtweise nicht mehr gültig und neue Regeln werden gesucht. Age of Aquarius ist der englische Ausdruck für Zeitalter Wassermann, in dem dieses Sternbild den Frühlingsmorgen ankündet.

5.  Politische Ansicht: 

Ein neues Zeitalter und damit ein Kalender kann durch politische Energie, wie es  beim  französischen Revolutionskalender oder beim islamischen Mondkalender der Fall war, verursacht werden. Wann dies für das Zeitalter Wassermann der Fall sein wird, wird sich zeigen. Für den Gregorianischen Kalender könnte Politik ein Problem werden, weil unzählige Anträge auf Reform der Zeitrechnung anhängig sind. Zahlreiche Nichtgläubige und Gläubige anderer Religionen lehnen den religiösen christlichen Kalender ab, dessen Jahreszählung offensichtlich falsch definiert ist.

6. Kalendarische Ansicht: 

Auf Grund des Julianischen und Gregorianischen Kalenders ist das Zeitalter Fische zu seinem Ende gekommen, denn die Einrichtung der Jahreszählung zielte auf das Größtjahr am Ende der Welt, bzw. zumindest am Ende des Zeitalters ab, weswegen das Jahres 2000 auf die Konjunktion aller Planeten ausgerichtet wurde und das Jahr 1 auf Grund der Präzessionskonstante von 66.6J/1° festgesetzt wurde.

Durch die Schalttagregel im Gregorianischen Kalender driftet der Frühlingspunkt zunehmend, ähnlich wie einst beim Julianischen, vom ursprünglich  21. März von Nicea ab, der auch in der päpstlichen Bulle "Inter Gravissimas" bei der Gregorianischen Kalenderreform angestrebt wurde. Diese Reform wäre selbst reformbedürftig, sie ist aber innerhalb der katholischen Kirche unmöglich, da kein Papst einem andern widersprechen kann, da er ja sonst nicht unfehlbar wäre. Die Bulle sagt nämlich, "dass die Schalttage in der selben Weise ununterbrochen fortdauernd (in perpetui) weitergeführt werden". (Gregor XIII, 1581)

Ein neues Zeitalter ist aber erst vorhanden, wenn ein neuer Kalender, neue Weise des Zählens von Zeit erfunden und im Gebrauch ist.  Solche neue Arten des Zählens von Zeit werden laufend in sehr großer Masse erfunden.  Auch der Countdown auf das Jahr 2000 muss als solch ein neuer Kalender gesehen werden, der weltweit im Gebrauch war, jedoch am 1-1-2000 auslief.
Die vielfach übliche Praxis die Tausender Stelle in der Jahreszahl wegzulassen und das Schreiben des Datums in der Art, 1. Jan 002, kann als langsames Abbröckeln der einstigen zeitlichen Orientierung angesehen werden, denn eigentlich wird damit ein neuer Ausgangspunkt, eine neue Epoche geschaffen, obwohl allerdings der Kalender selbst noch immer der selbe ist.

7. Herkömmliche astrologische Geschichtsbetrachtung

Die fehlerhafte astrologische Betrachtung, die den Eintritt des Frühlingspunktes in ein neues Sternzeichen für ausschlaggebend hält ist aus sachlichen Gründen falsch, denn wie schon eingangs erwähnt, bleibt der Frühlingspunkt immer bei 0° des Zeichens Aries, kann also niemals in ein neues Zeichen eintreten. Richtig wäre jedoch folgende Ausdrucksweise:
Das Wassermannzeitalter beginnt, wenn der Frühlingspunkt sich von seiner Position, sagen wir des Jahres 150 BCE, bis zu jener verschoben hat, wo im Jahr 150 BCE das Zeichen Wassermann an der Grenze zum Fischezeichen endet.
Es ist bemerkenswert, dass viele Astrologen den Beginn des Fischezeitalters mit 150BCE ansetzen. Gemäß dieser Annahme und wenn man den Tierkreis in zwölf gleich Teile teilt, ergibt bei der modernen Konstante von 71.66 J/1° die Dauer von 2150 Jahren, wodurch das Fischezeitalter mit dem Jahr 2000 enden würde.
Wird die Betrachtung richtig angestellt und auf das Sternbild Bezug genommen, so ist dennoch zu hinterfragen, ob die vielfach geäußerte Vermutung zutrifft, dass sich durch den Eintritt in ein neues Sternbild sich am Zustand der Welt oder dem Befinden der Menschen sich  deshalb etwas ändert. Oder ob nicht in Wirklichkeit es umgekehrt ist und die religiöse Geschichtsschreibung derartige Himmelsereignisse für sich nützt und sogar oft überhöht, um den eigenen Schriften dadurch höheres Gewicht zu verleihen, wie im Fall des Magierberichtes im Matthäusevangelium zu vermuten ist.

In der Geschichte der Astrologie und Chronologie fand immer auch die Jupiter Saturn Konjunktion spezielle Beachtung.
Da Saturn etwa 29 ½ Jahre und Jupiter etwa 12 Jahre für einen Umlauf um die Sonne braucht, treffen sich beide Planeten durchschnittlich alle 19.84 Jahre zu einer Konjunktion die um 8 Zeichen  von der vorherigen entfernt ist. Nach drei Konjunktion (nach etwa 59 ½ Jahren) tritt sie an fast derselben Stelle der Ekliptik wieder auf und formt mit den Positionen der übrigen am Tierkreis eine Dreieck, das Jupiter Saturn Trigon. Jedes Eck des Trigons ist dabei nach etwa 59 ½ um 7° 16' verschoben,  wodurch es 238 oder 258 Jahre dauert, bis es durch ein Tierkreiszeichen gewandert ist.
Diese Verschiebung des Trigons wurde in der Antike und im Mittelalter sehr genau beobachtet und berechnet. Zum Beispiel hat im 6. Jahrhundert  Araybhata 18.138 Konjunktionen für eine  360.000-Jahr Periode angegeben (360.000: 18138 = 19.8478). Ähnliche Werte finden sich auch in Babylonischen Planetenlisten.

Die Jupiter Saturn Konjunktionen treten 12 oder 13 mal in den selben drei Konjunktionen statt, die zur selben Triplizität oder Element gehören. Auf Grund der Triplizitäten, die durch das Trigon erzeugt werden, wird der gesamte Tierkreis in in vier verschiedene Elemente mit je drei Zeichen eingeteilt.

Diese sind:
Triplizität Feuer: Widder, Schütze, Löwe: ARI, SAG, LEO
Triplizität Erde:  Stier, Steinbock, Jungfrau: TAU, CAP, VIR
Triplizität Luft: Zwillinge, Wassermann, Waage: GEM, AQU, LIB
Triplizität Wasser: Krebs, Fische, Skorpion: CAN, PIS, SCO

In griechischer und arabischer Astrologie wurde der Übergang des Trigons in eine neue Triplizität für die Veränderung der Zeiten verantwortlich gemacht. Sogar noch Kepler betrachtete es als wichtig und vernünftig in Bezug auf den Stern von Bethlehem.

 



Bild: Keplers Darstellung des Trigons der Jupiter - Saturn -Konjunktionen

Die Einteilung in die vier Elemente geht im Prinzip auf die Griechen Anaxagoras und Demokritus zurück, die versuchten Zeit und Cosmos von Feuer, Wasser, Erde und Luft herzuleiten, was aber von Platos Schülern als chaotisch und häretisch angesehen wurde. Für diese Idee wurden die beiden mit Verlust ihrer Güter und ihres Lebens bedroht.

Bei derzeitiger Betrachtung zeigt sich, dass der Übergang das Trigons vom Element Erde in das Element Luft in bemerkenswerter Weise mit der Jahrtausendwende zusammenfällt:

J+S Konjunktion Zeichen   Element
1861Okt20/1862Mai23 VIR     Erde
1881-Apr-18   TAU Erde
1901-Nov-29 CAP Erde
1921-Sep-08 VIR Erde
1940-Aug1/1941-Feb17 
dreifach
TAU Erde
1961-Feb-18 CAP Erde
1981-Jan29/Jul-23 
dreifach
LIB Luft
2000-Mai-27 TAU Erde
2020-Dez-21 AQU Luft
2040-Okt-28 LIB Luft
2060-Apr-8 GEM Luft
2080-Mar-15 AQU Luft
2100-Sep-16 LIB Luft
2119-Jul-15 GEM Luft
2140-Jan-14 AQU Luft

 

Ist dies aber wirklich bemerkenswert und vernünftig?
Eine Änderung an den Zuständen durch Eintritt in ein neues Zeitalter könnte durch Bewusstwerden der zeitlich bedingten Handlungen erreicht werden, ähnlich wie eine Firma zum Jahreswechsel auf Grund der Bilanz ihre Strategie ändert.
Die Kritik, auch jene von Haupt, an einer astrologischen Geschichtsschreibung ist berechtigt, dennoch muss im selben Moment auf die Frage gestellt werden, auf welcher Basis die derzeitige Geschichte datiert und was die Grundlage dieses Kalenders ist. Es stellt sich dabei nämlich heraus, dass die Einrichtung des Gregorianischen Kalenders, sowie die Julianischen Tage auf purer Astrologie und Zahlenmagie fußen. Wer also in der Geschichtsschreibung die astrologische Betrachtung ablehnt, muss als Konsequenz auch den Gregorianischen Kalender ablehnen, um nicht mit auf Astrologie fußenden Grundlagen die Geschichte zu datieren.

8. Moderne astrologische Ansicht:

Einen interessanten Versuch das Zeitalter Wassermann zu installieren hat das Aquarian Age Network durch seine Deklaration des Wassermannzeitalters unternommen. Es lautet:
While acknowledging the zero point of the zodiac to be defined as the point where the true galactic equator crosses the ecliptic between Taurus and Gemini, and recognizing the J2000 galactic equator defined by the galactic north pole of 12h 51.4m, 27° 8' to be representative of the B1950 definition of the galactic coordinate system, by virtue of Sagittarius A* being recognized as the dynamical center of the galaxy with the true galactic equator passing through Sagittarius A*, and by virtue of the sun being at 90° 00' 32" past the point of the crossing of the J2000 galactic equator and the ecliptic at the spring equinox of 20 March 2000, 0735 GMT, we declare the Age of Aquarius to have unequivocally arrived.
Pax Aetatis Aquarii vobiscum!

Einfach ausgedrückt sagt diese Deklaration, dass sich der Frühlingspunkt, der sich einst zwischen den Sternbildern Zwillinge und Stier am galaktischen Äquator (genau gegenüber dem Zentrum der Galaxis) befand, sich bereits um 90° von dort verschoben hat. Auf unserem von der Erde aus gesehenen Sternhimmel befindet sich genau gegenüber dieses Ortes das Zentrum der Milchstraße, wo ein schwarzes Loch vermutet wird. Die 90° entsprechen drei  Sternbildern mit durchschnittlich je etwa 30° und daher erreicht der Frühlingspunkt bereits das Sternbild Wassermann und das Neue Zeitalter beginnt.
Das besondere und neue an dieser Deklaration ist, dass sie sich am dem Galaxiszentrum gegenüberliegen Punkt orientiert, wo das weiße Band der Milchstraße zwischen den Sternbildern Zwillinge und Stier verläuft. Die Milchstraße erstreckt sich von dort weiter über Cassiopeia und Schwan über das nördliche Himmelskuppel bis es zwischen Skorpion und Sagittarius beim Zentrum der Galaxis wieder die Ekliptik zum Südhimmel überschreitet.
Sich am weißen Band der Milchstraße zu orientieren hat eine lange Tradition.
Wir sollten dabei daran erinnern, dass die Milchstraße in vielen globalen Mythen als Ort der Seelen galt.
(Siehe dazu Santa und Sterne der Offenbarung).
Das Sternbild Stier kündete vor etwa 6000 Jahren der Frühlingstag an und galt als Symbol für die älteste Europäische Kultur. Damals, am Beginn der Hochkulturen, stand am Frühlingstag die Sonne an einem besonderem Kreuzungspunkt von himmlischen Wegen: Am Schnittpunkt  des weißen Bandes der Milchstraße und dem Tierkreis (Ekliptik).

9. Astrochronologische Basis der historischen Daten

Der früher oft geübte Brauch besonders wichtige politische Ereignisse mit der Stellung der Himmelskörper in zeitlichen Bezug zu bringen, hat zur Erstellung von Horoskopen geführt, die für die moderne Geschichtsforschung zu äußerst wichtigen Quellen für Datierungen wurden.
Dieses Beispiel zeigt, dass die Geschichtsforschung auch Ausdruck des Menschen nach seiner Identität im Rahmen der Zeit ist. Daher kann der Sternenlauf auch unter Umgehung eines Kalenders als direkter Bezugspunkt zur zeitlichen Datierung verwendet werden. Die Stellung der Planeten zu einem bestimmten Zeitpunkt wiederholt sich nämlich niemals exakt in gleicher Weise, sondern nur innerhalb einer gewissen Toleranz in ähnlicher Weise. Jede Planetenstellung eines bestimmten Zeitpunktes ist also ein einmaliges Ereignis, bzw. anders ausgedrückt: Jedem beliebigen Zeitpunkt entspricht eine bestimmte einzigartige, sich nicht exakt gleich wiederholende Planetenstellung.

Ein  Satz von Franz Boll ergibt, in diesem Konnex betrachtet, besonderen Sinn:
Nach dem Lauf der Sterne messen die Menschen den Lauf der Zeit. Für Unkundige, deren Kenntnisstand nicht auf Wissen, sondern auf Glauben beruht, entsteht daraus sehr schnell der Satz: "Der Lauf der Sterne bestimmt die Zeit!" Worauf für Religiöse sich ableitet: "Der Himmel lenkt alles Irdische." (Boll, 1903)

Bei der Betrachtung dieses Satzes fällt sogleich der Irrtum auf, dem wegen des unzulässigen Umkehrschlusses die Religiösen oft aufsitzen und so zu völlig irrigen Erwartungen und Vorstellungen von Leichtgläubigen führt.

In diesem Zusammenhang seien auf die denkbaren Möglichkeiten der Geschichtsfälschung aufgezeigt, die in der Diskussion über die 300 Jahre mittelalterliche Phantomzeit des deutschen Historikers Heribert ILLIG aufgeflammt sind (Illig, 1997). Am besten und elegantesten wird Illig durch den Sternenlauf widerlegt, über den alte Berichte genügend Genauigkeit und Redundanz liefern, um den zeitlichen Verlauf mit Hilfe moderner Astronomieprogramme zurückzuberechnen.

Die Chance, die sich aus einer astrochronologischen Datierung der Geschichte ergeben sind bisher kaum genützt und können zu einer Bereicherung der Zeitrechnung beitragen.

Zusammenfassung und Schlussfolgerung:

Über den Beginn des Wassermannzeitalters auf Grund der Präzessionsbewegung kann lakonisch gesagt werden, dass sein Beginn sowohl von der Betrachtungsweise als auch von der Art der Sternbildgrenzen abhängt.
Wenn die Betrachtung des Horizont des Frühlingsmorgen mit bloßem Auge über die Grenze zwischen den bildhaften Strukturen der Sternbilder Fische und Wassermann als entscheidend gilt, so fängt das neue Zeitalter schon an. Wenn man allerdings die Sternbildgrenzen, die 1928 durch die IAU gezogen wurden, als Entscheidungsgrundlage nimmt, so wird der Beginn erst in etwa 600 Jahren stattfinden.

Als Ergebnis der weiteren Ansichten kann festgestellt werden, dass mit dem Jahr 2000 ein lange vorherbestimmter, bemerkenswerter Zeitpunkt eingetreten ist der seit der Antike und durch die Einrichtung der christlichen Jahreszählung als Zeitenwende angesehen werden kann.
Obwohl die Konjunktion im Mai 2000 auf Grund der Einrichtung der christlichen Jahreszählung das Ende des Fischezeitalters markiert, muss das nicht zugleich auch den Beginn des Wassermannzeitalters bedeuten. Die Jahreszählung basiert nämlich auf der falschen Voraussetzung der einst vermuteten Präzessionskonstante von 66.6 J/1° und die Konjunktion im Mai 2000 erfüllt nicht die alte Forderung dass sie in einem Äquinoktialsternbild stattfindet, denn die meisten Planeten befanden sich im Sternbild Widder. Herta von Dechend schreibt dazu sinngemäß, dass ein neues Zeitalter dann als angebrochen galt, wenn eine (dreimalige) Große Konjunktion von Jupiter und Saturn in einem neuen Frühlingssternbild stattfand.

Solch eine dreifache Konjunktion im östlichen Frühlingssternbild Wassermann findet allerdings im gesamten dritten Jahrtausend überhaupt nicht statt! Erst von Dezember 2655  bis Juni 2656 findet eine dreifache Konjunktion im westlichen Frühlingssternbild Löwe statt, die unmittelbar 20 Jahre danach von einer sensationellen engen Konjunktion aller Planeten (eingeschlossen sogar Uranus und Neptun) genau am Frühlingsstag des Jahres 2675, wobei die Sonne dann auch innerhalb der 1928 neudefinierten Grenzen des Sternbilds Wassermann steht.
Dieses Ereignis ist so selten, dass es derzeit nicht möglich ist, vorauszuberechnen, wann sich je an einem Frühlingsstag eine Konjunktion der klassischen Planeten innerhalb einer Spanne von 22° sich wiederholt.
Als Ankerpunkt für eine neue kalendarische Zeitrechnung scheint es daher sowohl aus alter Sichtweise sowohl als auch in moderner Weltanschauung Rechnung zu tragen. Die wie immer geartete Zählung der Zeit zu und von diesem Zeitpunkt erhöht die Redundanz und Sicherheit der menschlichen Zeitrechnung und schafft einen religiös unbelasteten und politisch neutralen zeitlichen Fixpunkt.

Die Durchsetzung eines neuen Kalenders ist allerdings ein langwieriger politischer Prozess und bedarf einer langen Diskussion.

Argumente für die Schaffung eines neuen Zeitrechnung sind:

Für den Beginn der Gültigkeit eines neuen weltweit gültigen Kalenders könnte der Frühlingsbeginn in 673 Jahren (20-3-2675 CE) mit der bemerkenswerten Konjunktion aller klassischen Planeten fokussiert werden. Der Countdown dahin kann für die Diskussion und die Akzeptanz einer neuen Zeitrechnung förderlich sein. (Countdown zur Equinoktialen Perlenreihe der Planeten, CEPP)
Der Beginn einer Kalenderdiskussion selbst und die bewusste Orientierung in Richtung Zukunft ist bereits Zeichen eines neuen Zeitalters.
Die 675 Jahre von 2000 bis dorthin könnte man als eine Art Übergangszeit bezeichnen, zu deren Jahresbeginnen am 1. Jänner die Sonne nahe am Wintersolstitium und im Sternbild Ophiuchus steht, der als 13. Sternbild ebenfalls zu den Sternbildern der Ekliptik gehört und den griechisch-römischen Gott der Heilkunst Asklepios oder Äskulap darstellt und ihm gewidmet ist. Der römische Dichter Ovid schrieb vor 2000 Jahren über Äskulap, den Sohn von Apollon und Koronis, der vom weisen Kentauren Chiron die Heilkunst erlernt hatte:
Er trug einen knotigen Stab in der Linken, strich mit der Rechten den langen wallenden Bart und ließ mit huldreichen Sinn die folgenden Worte vernehmen: "Fürchte dich nicht! Ich werde kommen und von meinem Bildnis scheiden. Betrachte nur diese Schlange, die sich um meinen Stab schlingt und windet, und merke sie dir genau, damit du sie wieder erkennst! In sie will ich mich verwandeln, doch werde ich größer sein und so stattlich erscheinen, wie es einem Himmlischen geziemt."

 


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Bild: Sternbild Schlangenträger (Ophiuchus)

 


Zum Vergrößern bitte anklicken.

Bild: Der Schlangenträger in der Mitte der strahlenden Sternenkuppel des Pavillons beim Planetenweg HIMMEL auf ERDEN 

Alle derzeitigen Jahresbeginne liegen nahe beim Wintersolstitium und am Morgen des Neujahrstages steht der Schlangenträger dort, wo die Morgenröte den Aufgang der Sonne am östlichen Horizont anzeigt. Alle kalendarischen Neujahre werden vom Schlangenträger eingeleitet, daher haben wir eigentlich ein Zeitalter Ophiuchus auf Grund dieser Kalendereinrichtung.

Andererseits, würden die Jahre beim Frühlingsäquinoktium beginnen, würde der Wassermann den Neujahrstag ankünden, so wie es der griechische Mythos von Eos (Morgenröte) und Tithonos (Junger Tag) ausdrückt, und wie es die Lateinischen Monatsnamen noch immer zeigen.

In der Hoffnung damit etwas zur Klärung über den Beginn des Wassermannzeitalters beigetragen zu haben, das der Song Aquarius des Musicals Hair besingt:

Harmonie und Recht und Klarheit!
Sympathie und Licht und Wahrheit!
Niemand wird die Freiheit knebeln,
niemand mehr den Geist umnebeln.
Mystik wird uns Einsicht schenken
und der Mensch lernt wieder denken,
dank dem Wassermann, dem Wassermann!


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Bild: Sternbild Wassermann

 

LITERATUR:

A q u a r i a  n A g e N e t w o r k: http://www.aquarian-age.net/declaration.html.  2000

B e c k e r, U.: Lexikon der Astrologie. Freiburg, 1981
B o l l, Franz: Sphaera. Neue Griechische Texte und Untersuchungen zur Geschichte der Sternbilder. Leipzig 1903
D e l p o r t e, E.: Delimination Scientifique des Constellations, Tables et Cartes, IAU, Cambridge University Press, 1930

G l i e s e, W.:  Precession tables. In Landolt-Börnstein VI, Vol.2c. No 8.1.1.6; Springer, 1982

Gregor XIII, Papst: Inter Gravissimas. 1581. Internet Version by Rodolphe Audette and Bill Spencer, November 1999 http://www.bluewaterarts.com/calendar/InterGravissimas.htm

H a u p t, Hermann: Der Begin des Wassermannzeitalters, eine astronomische Frage. Anzeiger der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, math.- naturw. Klasse 129, 75-78. 1992

H u b e r, Peter: Über den Nullpunkt der Babylonischen Ekliptik. Centaurus, vol.5, no. 3-4 pp. 192-208. 1958

I l l i g, Heribert: Das erfundene Mittelalter. 1997

R o s e n b e r g, A.: Durchbruch zur Zukunft. München, 1985.

S a c h s, A.: Journal of Cuneiform Studies 6, 16, 1952

S a n t i l l a n a, Giorgio de und Hertha von D e c h e n d: Die Mühle des Hamlet. Ein Essay über Mythos und das Gerüst der Zeit. Wien 1969.

V a n  d e r W a e r d e n, Bartel L..: Die Anfänge der Astronomie. Erwachende Wissenschaft. Bd. 2. Groningen, 1965
History of the Zodiac. Arch. F. Orientf. 16

 

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Veröffentlicht, CEP 245830 (26-Feb-2002)