Der heidnische Ursprung und astronomische Hintergrund vieler mondgebundener christlicher Feiertage
Der Lichtmess-Tag, genau 40 Tage nach Heilig Abend ist ein schönes Beispiel wie uralte heidnische Tradition in den christliche Kalender eingeflossen ist. Ein alter bäuerlicher Kalenderspruch über das Längerwerden des Tages nach der Wintersonnwende lautet:
"Zu Stephanie a Muckngahn,
Zu Neujahr a Hahnentritt,
Zu Heilig Drei König a Hirschensprung,
Und zu Maria Lichtmess a ganze Stund."
Er beschreibt, wie der Tag ab Wintersonnwende vom Gang einer Mücke beginnend,
um eine volle Stunde bis Lichtmess zunimmt, dem Zeitpunkt des einstigen
keltischen Festes Imbolc und der nordischen Lichtgöttin Brigit. An diesem Tag
kommt alljährlich auch der Groundhog in Punxsutawney aus seinem Bau in
Gobbler's Knob - ein Symbol für die wieder erstarkende Kraft der Sonne auf
ihrem jährlichen Lauf. Im Film "Murmeltiertag"(engl.: Groundhog Day)
wurde dieser alte Brauch erzählt, der durch deutsche Auswanderer nach USA kam.
Lichtmess (engl. Candlemas Day) ist auch jener Tag, durch den die weiteren
Marienfeiertage im Abstand von meist je 73 Tagen an das Sonnenjahr gebunden
sind und damit an Mond- und Venus- Zyklus erinnern. Auffällig dabei ist
auch, dass dem 2. Februar im Jahreslauf genau gegenüber Maria Himmelfahrt,
der Große Frauentag, am 15. August liegt. An diesem Tag fand früher immer
die traditionelle Prozession zum Teufelstein statt, wo bei der Messe die
Laurentiuslitanei mit ihrer Huldigung an den Morgenstern gebetet wurde.
Beginnend mit Lichtmess wird das Jahr durch den Lauf des Mondes in fünf
Teile zu je 73 Tagen geteilt, da zweieinhalbe Mondmonate, d. h. die Anzahl
der Tage von Neumond bis zum dritten darauf folgenden Vollmond, 73 Tage
ergeben. Der englische Name groundhog liefert die gedankliche Verbindung
zum groundhog, auf deutsch Igel. Auch im Märchen „
Der Hase und der Igel“ kommen die 73 Tage vor, wo beim 74. mal Laufen
dem Hasen das Blut aus dem Halse quillt .

Die Fünfteilung des Jahres durch den Mond findet eine
Parallele im altgriechischen sogenannten Octaeteris, der Periode von acht Jahren, nach denen Venus, Sonne und Mond mit nur zwei Tagen Unterschied die
gleiche Position und Phase einnehmen.
Venus erscheint nämlich bei ihrem Erstauftritt als
Morgenstern alle 584 Tage immer in einem anderen Sternbild und kommt nach
dem fünften Mal wieder an fast den selben Himmelsort zurück. (5x584 = 8x365 =
2920). Auch der Mond läuft in diesem Rhythmus und hat in 8 Jahren 99 Erdumläufe
vollendet (29,5x99 = 2920.5). Daher treffen sich nach 8 Jahren Sonne, Mond und
Venus am selben Ort und zur selben Zeit. Das Märchen Dornröschen erzählt
davon, denn die 100 Jahre darin bedeuten in Wirklichkeit 100 Mondjahre.
Der Name LichtMESS liefert einen Hinweis auf das alte
indoeuropäische Wort ‚mes’ für den Mond. Die Messe oder das lateinische
Wort für Monat, ‚mens’ und die Menstruation sind nur einige wenige Hinweise für
viele weitere Verwendungen dieser Silbe.
Die Gebetsschnur des katholischen Rosenkranzes, der zu Ehren der heiligen
Jungfrau gebetet wird, hat genau 59 Perlen und enthält damit die Anzahl der
Tage von 2 Mondmonaten zu 29,5 Tagen.
Die symbolhafte Verknüpfung von Maria und Mond und Morgenstern zeigt sich auch
in vielen Mariendarstellungen.
Die vierzig Tage, von denen anfangs die Rede war, sind ebenfalls ein alter Rhythmus, der nicht nur als Reinigungsperiode nach der Schwangerschaft
in der Bibel eine Rolle spielt. Es ist vom Hindukush bis Europa in alten Bräuchen
bekannt: Einerseits als Zeitraum der strengen Winterkälte, andererseits als
Dauer von beinahe Stillstand der Sonne am Horizont bei den Solstitien sowie auch
als Phase bei ihrem schnellsten
Wandern bei den Äquinoktien. Ungefähr 30 bis 40 Tage dauert es aber auch bis
ein Fixstern des Tierkreises zum erstenmal am östlichen Morgenhimmel wieder
erscheint, nachdem er am westlichen Abendhimmel durch den jährlichen Lauf der
Sonne verschwunden war, da er hinter der Sonne stand und von ihrem Licht überstrahlt
war.
40 Tage dauert auch die Fastenzeit von Aschermittwoch nach Faschingsende bis
Ostersonntag, bloß dass dabei die 6 Sonntage dazwischen vom Fasten ausgenommen
sind und es daher 46 Tag sind. Auch vom (modernen) Faschingsanfang, dem 11. 11.
bis zur Wintersonnwende sind es genau 40 Tage.
Sepp Rothwangl
CEPP:-246202


