Information über Maya-Kalender und 2012

Rezension zum Buch
"The End of Time: The Maya Mystery of 2012" (Paperback) von Anthony Aveni (Author)


Anthony Aveni ist einer der bekanntesten US-amerikanischen Archeoastronomen und hat zahlreiche Forschungen über mesoamerikanische prekolumbianische Kulturen gemacht. In seinem jüngsten Buch taucht er tief in den 2012-Hype ein, der gerade mal drei Jahre voraus schon jetzt als "Ereignishorizont" nicht nur das Internet, den Buchmarkt, sondern auch die Kinos überschwemmt.
Das erste von neuen Kapitel beginnt mit sehr persönlichen Eindrücken und stellt so was wie eine "Bedienungsanleitung" durch all die (verrückten) 2012 Prophezeiungen dar. J. Argüelles, J.M. Jenkins und D. Pinchbeck sind USA- und C. J. Calleman  ist ein eurpäischer Epigone, zu denen ich einen weiteren Europäer hinzufügen kann: Tibor Zelikovics. Die Szenerien ihrer Prophezeiungen reichen von Katastrophen wie Meteoritenenschlägen, Strahlen aus dem Weltall bis zu spirituellen Einflüssen, Zeitsprüngen, magnetischen und Präzessionsschüben. TEOTWAWKI (The End Of The World As We Know It) kommt!
Aveni betrachtet sie nüchtern und erzählt als Kontrast einige Schöpfungsmythen der Maya und ihre Beziehung zur Zeitrechnung, Kultur, Ritualen und der Namensgebungspraxis: Der Eigenname eines Maya war gleich seinem Geburtsdatum, der ihm durch das Kalenderdatum zukam, das sich auf Grund der kommensurablen Kalenderperioden alle 52 Jahre wiederholte. (52 x 365 = 260 x 73 = 18,980 Tage). Dieser Zeitraum passt gut zur Lebensdauer der damaligen Zeit und war eine Praktik, die eine Parallele zu den christlichen Namenstagen zeigt. Zeit und seine Rechnung schien aber weit mehr Teil der persönlichen Identität eines Maya gewesen zu sein als, als unsere heutiger Geburtsdaten, erstellt im Gregorianischen Kalender, die sich in jedem Reisepass oder Ausweis finden.
Doch warum 2012? Der Autor erklärt es mit dem "Juwel der Krone der Maya", den drei Zeitrechnungssystemen der Maya, Haab, Tzolkin und dem Long Count mit ihren einzigartigen Zählsystem, das im Gegenteil zu unserem dezimalen auf den Zahlen 13, 18 und 20 basiert. Leider weiß Aveni nicht, wie die 260 Tagezyklen des Tzolkin mit dem Long Count durch Sonnen- und Mondlauf verknüpft sind. Der Maya Long Count scheint mit dem Ende seiner längsten Periode von 144.000 Tagen (ungefähr 400 Jahre) , das ist das 13. Baktun am 21. 12. 2012 zu enden. Der Beginn und die Schöpfung der Maya durch diesen Kalender wird auf den 11. August 3114 BCE datiert. Beide Termine markieren ein signifikantes Datum in einem gewöhnlichen Sonnenjahr: Wintersonnwende und den jährlichen Zeitpunkt an welchem die Sonne genau im Zenit über den Himmel der Maya-Region wandert, ein Ereignis, das nördlich des Krebs-Wendekreises nicht auftreten kann. Schade, dass Aveni nicht ausdrücklich mitteilt, wie die Konvergenz des Maya- mit dem Gregorianischen Kalender hergestellt und errechnet wurde. Auch das zeitgleiche Auftreten des Untergangs der Maya-zivilisation um etwa 830 CE mit dem Ende des 10. Baktuns (1440.000 Tage nach 3114 BC) findet keine Notiz.
In einem Exkurs in die Philosophie und Kosmologie der Europäischen Antike, von Indien und China streift Aveni den Wandel der kulturellen Idole und den Inhalt der großen Mythen, die ihren Ursprung nicht irdisch sondern am Himmel haben könnten. Er fragt sich, ob diese Mythen in einer vergessenen Sprache von astronomischen Ereignissen vergangener Zeiten handeln. Wenn Aveni "Die Mühle des Hamlet" von Giorgio de Santillana und Herta von Dechend zitiert, wird nicht klar ob er dieses Buch verniedlicht oder ernst nimmt. Aveni scheint in einem Dilemma festgefahren, denn aus einem anderem seiner Bücher erinnere ich mich an sein Zitat "wir nennen den jetzigen Mythos Wissenschaft" was in umgekehrter Weise dann lauten würde, "die frühere Wissenschaft bezeichnen wir heute als Mythos."
Als Astronom macht Aveni einen Wirklichkeitstest über die Wahrscheinlichkeiten, welche die Himmelsereignisse von 2012 umgeben und (freilich!) findet er keine Hinweise auf ungewöhnliche Dinge. Daher wird unser Planet nicht von ungewöhnlichen kataklysmischen Ereignissen betroffen sein, entsprechend einer Aussage von Carl Sagan: "Außerordentliche Behauptungen brauchen außerordentliche Beweise." Kein Asteroid, kein geheimer Planet Nibiru, keine gefährlichen kosmischen Strahlungen, keine katastrophale galaktissche Region kann in naher Zukunft ausgemacht werden. Wenn tatsächlich ein unvorhersehbares Ereignis eintreten würde, wäre es eben unvorhersehbar, auch für den Mayas, ansonsten würden sie tatsächlich die Großmeister aller Propheten sein, aber zu diesen gehören nur einige wenige aus meinem österreichischen Heimatland Steiermark. Von ihren Prophezeiungen sagt ein humorvoller Spruch: "Die Steirer erzählen ihre Vorhersagen immer erst hinterher".
Aber das letzte Kapitel von Avenis "End of Time" enthüllt dennoch einen drohendes Schicksal, das auf abendländischer Philosophie, Kultur, jüdischer, christlicher und islamischer Religion fußt.
Unzählige Weltuntergangsprophezeiungen - freilich schlugen sie alle fehl - zeigen dennoch klar eines: sie erfüllen sich gewissermaßen trotzdem: als selbsterfüllende Prophezeiungen. Durch Selbstmord aus Angst vor dem Ende zu sterben ist nur ein Beispiel, das Weltuntergangssekten vollführen. Aber auch das Versprechen auf eine schöne Zukunft, das Paradies, die Auferstehung Christi, den Mahdi, den Himmel auf Erden durch Vorhersagen haben ihre Folgen: Als Last für die Propheten.
Als Europäer gestehe ich, dass ich beim Lesen von Avenis "The Maya Mystery" eine Menge von amerikanischer Geschichte und Kultur lernen und verstehen konnte; nämlich die Ausbreitung von religiösen Gruppen während des 18. und 19. Jahrhunderts, als so viele exzentrische Yankees mit sozialen und religiösen Bewegungen die Heimat Avenis, den Burned-Over District, unentwegt überzogen. (Diese Bezeichnung ist inspiriert vom Gedanken, dass die Region so stark evangelisiert worden war, dass für die eifrigen Prediger das Land ausgebrannt schien, d.h. niemand mehr zu bekehren war). Propheten waren ihre Führer und sagten voraus oder versprachen neues Land, schönes Leben, "New Jerusalem", Frömmigkeit, Spiritualität, Freiheit von Sünde, Die Große Erweckung"  usw. Das Ergebnis waren nicht nur religiöse Gruppen wie die Mormonen, die Shaker, die Heilsarmee usw, sondern auch soziale Gruppen und Parteien wie die Greenbacks, die Equal Rights Party und andere, speziell dann als nach dem Großen Erwachen die große Enttäuschung kam. Prophezeiung ist ein Motor für die soziale Evolution! Aveni zitiert Guenon, der sagt: "wir alle sind Opfer von Überredungskunst" und "Eigennutz ist ein Motiv kataklysmische Ereignisse vorherzusagen", wobei wir beim Kern von christlicher Prophezeiung sind: Die Apokalypse, die Offenbarung über das Ende der Zeit von Johannes von Patmos, der jedoch kein Apostel war, wie Aveni irrtümlich annimmt. "Das Millennium und die Apokalypse gehören zusammen wie Weihnachten und der Weihnachtsmann" schreibt Aveni und befindet sich damit am Schnittpunkt der Parallele von Y2K und Y12, wie er den 2012-Hype nennt. Da der Millenniumsschritt das Ende nicht brachte, wird es verschoben ein weiters Mal, das nächste kalendarische End-Ereignis: 2012. Die Menschheit scheint eine Sehnsucht zu haben der jetzigen Situation eine Ende zu bereiten, ähnlich einem Depressivkranken, der keinen anderen Ausweg als den Tod sieht. Die Einfalt setzt Zeit mit Zeitrechnung gleich, oder probiert die Menschheit an Hand des Kalender-Endes der untergegangenen Mayas aus, was passiert, wenn ein Kalender ausläuft, und macht das als Nächstes mit dem Gregorianischen?
In Wirklichkeit wandelt Aveni aber über einen Teppich unter dem, eingehüllt in Jahrhunderte alten Schriften, mittelalterlicher Sternkunde und antiker Kosmologie eine Zeitbombe versteckt liegt: Die Ausheckung von Anno Domini. Diese Jahreszählung wurde erst im 6. Jh. erfunden und erst eine kleine Schar weiß und kann glauben, was die wirklichen Gründe für seine Erstellung und sein Ziel war: Eine Endzeitpeilung durch die Berechnung einer Konjunktion aller Planeten im Mai 2000 und die Platzierung der fiktiven Inkarnation von Jesus mit Hilfe der mittelalterliche Präzessionskonstante von 666J/10° genau 2000 Jahre davor. Anno Domini ist eine Prophezeiung über Anfang und Ende des Fischezeitalters, das durch ICHTHYS (griechisch Fisch), dem ersten christlichen Symbol, signalisiert wurde. Kein Pol-shift droht, dennoch "shift happens", in diesem Fall der Wechsel der Frühlingsternbilder von Fische zu Wassermann und die Verlagerung des Kalendermonopols vom Vatikan an einen anderen Ort. Diese Tatsachen sind offensichtlich Aveni nicht bekannt, sind aber wahrhaft eine Zeitbombe, die ein "schwarzes Loch" in die fundamentale christliche Weltanschauung sprengen kann, und wurden bisher nur bei wenigen wissenschaftlichen Symposien vorgestellt, werden aber in Bälde in meinem Buch "STERNZEIT" erscheinen.
Nichtsdestoweniger ist Avenis Buch ein Muss in der Bibliothek von allen, die an Geschichte und Astronomie interessiert sind, und ich schulde ihm großen Respekt und Anerkennung. Avenis Stil ist wunderbar, die Fußnoten und der Index sind perfekt, und das Glossar ist für Neulinge höchst hilfreich.
Sepp Rothwangl, CALENdeRsign, Austria


Links zu Maya-Kalendar und Tzolkin:
Malmstroem

Aveni
Skywatchers