SCHATTENZEIT
Außerhalb des offiziellen Programms präsentiert CALENdeRsign seinen persönlichen Beitrag zu
EUROPÄISCHE KULTURHAUPTSTADT GRAZ 0003.

Was ist CEP?
Abstrakt:
CEP, der Countdown zur Equinoktialen Planetenreihe, ist eine neue Form der Tageszählung. CEP zielt auf den Tag des zukünftigen nördlichen Frühlingsäquinoktiums ab, das mit einer Konjunktion aller klassischen Planeten (incl. Sonne und Mond) sowie den „modernen“ Planeten Uranus und Neptun zusammenfällt. CEP zählt die Tage bis zu diesem Ereignis herunter.
Der Tag CEP = 0 ist mit dem 20. März 2675 CE oder JDN 2.698.162 konvertibel.
Am Datum CEP -245500, zugleich 22. Januar 0003, wurde hier die neue Tageszählung erstmals öffentlich vorgestellt.
CEP befindet sich durch diese Ausrichtung in einer Reihe mit den großen Zeitrechnungskonzepten der Menschheit:
Die christliche Jahreszählung wurde so eingerichtet, dass eine Konjunktion aller klassischen Planeten genau zum Millennium auftritt, am 5. Mai 2000, zugleich CEP -246 492.
Der Beginn des indischen Zeitalters Kali Yuga wurde auf Basis einer ähnlichen Konjunktion aller Planeten, die am 17. Februar 3102 BCE auftrat, festgelegt.
Auch der früheste chinesische Kalender begann mit einer solchen Konjunktion.
Die Anbringung der Tageszählung CEP am SCHATTENOBJEKT UHRTURM ist der außerprogrammatische Beitrag von CALENdeRsign für EUROPÄISCHE KULTURHAUPTSTADT GRAZ 0003.
Das Logo GRAZ 0003, dessen eigenwillige Jahreszahl auf ein informelles Gespräch von Sepp Rothwangl mit dem damaligen Kulturstadtrat Helmut Strobl zurückgehen könnte, und der Uhrturmschatten, ein wunderbar gelungener schwarzer Klon des Grazer Wahrzeichens, „materialisiert“ durch den jungen steirischen Künstler Markus Wilfling, lieferte konkrete zeitliche und räumliche Ansatzpunkte, um die neue Zeitrechnung CEP erstmals außerhalb der elektronischen Medien der Öffentlichkeit zu präsentieren.
Anlass und Ansporn für diesen Beitrag waren die Aussagen des Intendanten
Wolfgang Lorenz bei der Eröffnungsgala von GRAZ 0003 am 13. Januar, “ ...
du bist es den wir meinen. Du bist Teilhaber von GRAZ 0003. ... Mach mit!“
und die Worte von Vito Acconci anlässlich der Eröffnung der neuen Murinsel: „Man
muss die Zeit einfangen, sich auf sie zu bewegen“ und
„es gibt anscheinend eine permanente Sehnsucht der Menschheit die
Zukunft zu verhindern“.
CEP, der Countdown zur Equinoktialen Planetenreihe von CALENdeRsign ist eine Herunterzählung der Kalendertage bis zu diesem Ereignis am Tag CEP = 0, der mit 20. März 2675 CE konvertibel ist.
Diese Form der Zeitrechnung auf die Zukunft hin, hat nicht nur im jüngsten Countdown zum Jahr 2000 einen Vorläufer, sondern knüpft an uralte Traditionen, wie die Zählung der Tage im Julianischen Kalender, an . Der tägliche Kalender der alten Römer entsprach einem Countdown. Ihr Monat war durch Kalaende, Nonen und Iden in drei Teile geteilt, und sie zählten alle weiteren Tage innerhalb des Monats im Countdown zu diesen drei Monatseckdaten. Diese Tradition hat sich auch im liturgischen christlichen Kalender bei den Schalttagen erhalten, wo der sechste Tag vor Beginn des März gleichsam doppelt gezählt wurde und deshalb auch „bisextile“ hieß, wobei dieser „Doppelsechser“- Tag auf den 23. Tag des Monats Februar fiel.
Doch auch die Jahreszählung nach dem Jahr der Herrn (anno domini), eingerichtet im 6. Jh. durch Dionysius Exiguus entspricht in Wirklichkeit einem Countdown, dessen wahrer Ursprung schattenhaft ans Licht kommt. Dionysius hat nämlich auf Basis einer tatsächlichen Konjunktion aller Planeten am 31-5-531CE das Wiedereintreffen einer solchen Konjunktion in der Zukunft für das Jahr 2000 vorausberechnet, die tatsächlich am 5. Mai eintrat. Mit Hilfe der damals vermuteten, auch in der Johannesapokalypse enthaltenen Präzessionskonstante von 66,6 J/1° (ergibt in 2000 Jahren 30°) hat er dann von dort zurück das Jahr der Inkarnation Jesu Christi festgelegt.
Der eigentliche Grund für die Erfindung der anno domini Zählung lag im Versuch Chilliasmus, Milleniarismus and Weltuntergangsangst zu bekämpfen, das von dem bedrohlichen Jahr 6000 in der ersten christlichen Chronologie, einer Weltschöpfungsera der Weltgeschichte des Sextus Julius Africanus aus dem 3. Jh., ausging.
Diese Anno Mundi Zählung fußt auf einem teleologischen Konzept, das die
Weltgeschichte mit dem einem göttlichen Heilsplan verknüpfen will und daher
ein Zeitgerüst konstruiert, das auf der Bibel basiert. So sagt Psalm 90:4: Denn
tausend Jahre sind vor (Gott) wie der Tag.
Im Zeitkonzept des Africanus spielte aber auch der biblische 7-Tage Schöpfungsbericht
eine besondere Rolle, wodurch in seinem Weltbild 6000 Jahre (6 Tage) seit der
Erschaffung der Welt bis Adam vergingen, und der siebte Tag, der Tags des Herrn,
zugleich auch letzter bzw. Jüngster Tag ist.
In Übereinstimmung mit diesem sechs Tage Gerüst wurde die Anno Mundi Zählung durch ein weiteres Zeitkonzept beeinflusst. Es stellte die gesamte vermutete Menschheitsgeschichte von 6000 Jahren gleichsam in den Rahmen eines einzigen Tages, in dessen letzter (elfter) Stunde Christus auftrat: In der ersten Hälfte des dritten Jahrhunderts schreibend, verwendete Origenes in seinem Matthäus-Kommentar diese Analogie um die ganze biblische Geschichte mit Hilfe der 12 Stunden eines einzigen Tages in Zeitalter einzuteilen. Dem gemäß setzte er Noah auf die Dritte Stunde, Abraham auf die Sechste, Moses auf die Neunte und schließlich Christus auf die Elfte Stunde.
Folglich wurde in der Anno Mundi Zählung das Jahr der Geburt Christ auf das Jahr AM 5.500 festgesetzt, weil dies der elften Stunde von den verfügbaren Zwölf entspricht (6000 : 12 * 11 = 5.500).
Diese Methode (AM) lebt in leicht geänderter Form in der Byzantinische Ära, die noch immer in der christlichen Orthodoxie Verwendung findet.
Der Kampf gegen das Weltenende und die Auferstehung der Toten durch das Jahr AM 6000 war der eigentliche Grund der Einführung der Inkarnations- Jahreszählung "anno domini" durch Dionysius, der damit dieses drohende Ereignis um etwa 1500 Jahre in der Zukunft verschob, indem er das vermutete Ende des Fischezeitalters berechnete, an dessen Beginn bekanntlich die christlichen Symbole ICHTHYS und das geopferte Lamm standen.
Dionysius findet im indischen Astronomen Aryabhata von Kusumpara eine Parallele, der zur selben Zeit den Beginn des Kali Yuga festlegte, indem er eine Konjunktion aller Planeten für den 17-Feb-3102 BCE rückberechnete.
Ein Vorbild für seine Berechnung fand Dionysius auch bei den klassischen griechischen Philosophen, die er sicher kannte. Deren Vorstellung ist klar überliefert durch Censorinus: „Außerdem gibt es eine Jahreseinheit, die Aristoteles lieber Größtjahr als Großjahr nennt. Es handelt sich um den Zeitraum, in dem die Kreisbahnen von Sonne, Mond und den fünf Planeten dergestalt durchlaufen werden, dass alle diese Himmelskörper im selben Sternbild stehen, in dem sie vorher standen.“
CEP befindet sich also in einer Reihe mit den großen Zeitrechnungskonzepten der Menschheit.
CEP nummeriert die Tage bis zu einem nördlichen Frühlingsäquinoktium, das
mit einer sehr engen Konjunktion
aller klassischen Planeten (einschließlich Sonne und Mond), zuzüglich der
modernen Planeten Uranus und Neptun, zusammenfällt. Das wiederholte Auftreten
einer ähnlichen Konjunktion zum Äquinoktium ist mit derzeitigen Methoden nicht
berechenbar und liegt wahrscheinlich außerhalb des Zeitrahmens der menschlichen
Existenz.
Die räumliche Situation dieser Konjunktion ist bereits im Planetenweg
„HIMMEL auf ERDEN“ zwischen Rettenegg und Stuhleck als Modell im Milliardenmaßstab
verewigt.
Die kosmische und kalendarische Situation nach der sich das Datum CEP = 0
orientiert, stellt vermutlich alle bisherigen zeitlichen Anknüpfungspunkte in
den Schatten.
Es ist zu hoffen, dass Graz, als leider nicht glückbringende Wirkungsstätte
von Johannes Kepler, sich der Präsentation von CEP mehr tolerant, gesonnen und
dem Slogan „GRAZ DARF ALLES“ würdig erweist.
Der Ort, das dreidimensionale Schattengebilde des Uhrturms, der die Minuten und Stunden mit seinen Zeigern in umgekehrter Weise darstellt, sind bewusst gewählt, um für die Präsentation der neuen Möglichkeit der Zeitmessung eine optische Parallele zu liefern.
Der Tagesnummer der öffentlichen Präsentation (CEP 245500) mag für Numerologen als Anzahl der Stunden des Tages und als Jahr von Christi Geburt in der Anno Mundi Zählung ein weiteres Rätsel bergen ...
Für weitere geschichtliche Informationen wird auf die Webseite Einrichtung
der Jahreszählung und
für Informationen zur neuen Zeitrechnung auf CEP
verwiesen.

CEP -245.492 (29. Jan. 0003) nach Fertigstellung der Bauarbeiten am Uhrturmschatten,
1000 Tage nach dem 5. Mai 2000 (CEP 246.492)


