BETRACHTUNGEN
ÜBER DIE HERKUNFT DES WEIHNACHTSMANNES
VOM STERNENHIMMEL

Ho, Ho, Ho, und Jingle Bells klingt es vor jedem Weihnachtsfest, wenn der Weihnachtsmann, vor allen Geschäften und Straßenecken seine Glocke läutet. Santa Claus, wie er auf Englisch genannt wird, erobert von America aus wieder in die alte Welt zurückkommend die Kinderherzen und läuft dem Christkind zunehmend wieder den Rang ab, das mit El Ninjo eine eher traurige Assoziation erfährt. Ein uralter Mythos, von Harper's Weekly Autor Thomas Nast hochstilisiert, kehrt nach Europa heim, doch niemand erkennt noch die ursprüngliche Herkunft des Santa Claus, dennoch war er einst Ausdruck von Himmelskunde in einer anderen, verloren gegangenen Sprache und Sichtweise. Die Gedankenfäden und Bildgewebe alter Kulturen hat die Zeit längst verweht, zurück blieben nur schemenhafte Märchenfiguren, deren Umrisse marktgerecht aufgeputzt gewitzte Werbestrategen als das Unterbewusste stimulierende Verkaufshilfen  benutzen.


Was an Santa Claus neueren Ursprungs ist und was aus alter Zeit stammt, ist nur mehr schwer zu unterscheiden, wie dies bei allen Mythen der Fall ist, die solange sie existieren sich inhaltlich wie beim Stille Post Spiel verändern. Seine Erscheinung ist jedoch ein Archetypus, tiefgründig wie die ihm ähnlich sehenden Zwerge, jedoch immer wieder zum Nordhimmel verweisend, was ihn schon beim ersten Blick als Objekt früherer Sternkunde verdächtig macht, der wohl ältesten Wissenschaft. "Wir nennen die zeitgenössische Mythologie Wissenschaft", sagt Anthony Aveni in seinem Buch Dialog mit den Sternen und macht somit die Vergänglichkeit jeden Wissens deutlich, aber auch, wie schwierig es ist, im oft von modernen Kitsch überfrachteten Mythos das alte Wissen aufzuspüren.

Den wahren Ursprung des Weihnachtsmannes liefern dennoch einige kindliche Erklärungen, zwar oft als naiv abgetan, dennoch - sie weisen zum Himmel, woher Santa Claus auf seinem Schlitten hoch vom Norden heranbrausen soll. Tatsächlich jedoch ist seine Herkunft wirklich im Sternenhimmel zu finden, wo er in Sternensagen des nordeuropäischen Raumes schon lange vor dem Christentum eine wichtige Rolle spielte. Weder das Jesuskind, noch das kommunistische Väterchen Frost und schon gar nicht die moderne Kinofigur Grinch (eine Parodie auf Ebenezer Scrooge aus Charles Dickens Weihnachtsgeschichte, "A Christmas Carol") konnten ihm etwas anhaben, nur die Präzession hat sein zeitliches Auftreten offensichtlich jahreszeitlich verschoben, wie sich in der nun folgenden Suche nach seiner Herkunft herausstellen wird.

Nikolaus im christlichen Kalender

Die Gestalt des Weihnachtsmanns wurde durch die Christianisierung mit dem kleinasiatischen Bischof Nikolaus von Myra besetzt, der als einer der Konzilsväter von Nicäa einer der wichtigsten Heiligen mehrerer christlicher Kirchen ist. Sein Namenstag wird am 6. Dezember gefeiert, wo die Nikolausfigur im alpinen Raum am Vorabend, die Kinder mahnend und beschenkend, in Begleitung eines Teufels, der meist Krampus, Bartl usw. genannt wird, auftritt und dadurch seinen heidnischen Ursprung zeigt. Dieser Tag liegt genau 73 Tage nach der Herbsttagundnachtgleiche und findet sein Parallele im Märchen von Hase und Igel und dem Symbolen der Butte und Rupert im alten steirischen Bauernkalender. Genau zweieinhalbe Monate (73 Tage) liegen zwischen Rupert (der Ruhm-Glänzende) am 24. Sept. und dem Nikolaus Tag und weisen somit auf alte Mondkalender. Ist nämlich zu Rupert Vollmond, zeigt sich am 6. Dezember der neue Mond, bzw. ist am Tag zuvor Schwarzmond, der im Krampus, auch Knecht Ruprecht genannt, eine Entsprechung findet.

Die Figur des Santa Claus jedoch kommt erst zum Weihnachtsabend und beschenkt dann, oft durch den Kamin kommend, die Kinder. Da seine Gestalt eine so starke Ausstrahlung besitzt, dürften bei ihm mehrere Faktoren zusammenwirken. Beleuchten wir daher vorerst einige seiner ungewöhnlichen Merkmale und Begleiterscheinungen.

Die Glocke

Die Glocke des Santa Claus läutet offensichtlich etwas ein, in diesem Fall die Weihnacht bzw. Wintersonnwende. Dass die Funktion der Glocke eigentlich immer in einen zeitlichen Zusammenhang besteht, ist offensichtlich, läutet sie doch immer zu gewissen Zeiten oder ruf zu bestimmten Handlungen auf, wie z. B. die Feuerglocke. Interessant ist, dass im Englischen das Wort Uhr bzw. die Zeit selbst "clock" heißt und dem deutschen Wort Glocke eng verwandt ist.

Herkunft des Namens

Der Name des Santa Claus leitet sich von Nikolaus (griech. Volkssieger) her, doch könnte auch das Lateinische "claudere" (schließen) oder gar "claudus" (lahm) sich darin verbergen, wobei das erstere zum Jahresabschluss, das andere zu seinem pferdefüßigen Begleiter dem Krampus, wie Hephaistos und Mephisto hinkend, gut passen würde, wie wir später noch sehen werden. Dass die Worte Satan und Santa sich nach Verschieben von nur einem Buchstaben gleichen, suggeriert auch eine tatsächliche Verwandtschaft, wie sie oft bei extremen Gegensätzen vorhanden ist. Der holländische Vertreter des Weihnachtsmannes wird Sinterklaas genannt, und ist sprachlich mit der Sintflut verwandt, die eigentlich eine bildhafte Beschreibung der Sternenflut der Milchstraße ist, wie wir später noch genauer sehen werden.

Der Kamin bzw. Schacht

Nikolaus mit Kamin
Bild: Nikolaus mit Kamin

Der Kamin bzw. Schlot, durch den der Santa in die Häuser kommt und die Glocke weisen darauf hin, dass etwas tief Verborgenes an die Oberfläche gebracht. Das Motiv des Kamins begegnet uns auch beim Rauchfangkehrer, der ähnlich dem Santa Claus zum Jahreswechsel als Glücksbringer fungiert. Doch weist der Kamin auch auf die Schmiede Hephaistos/Vulcanus, die Demiurgen, und die ogygische Höhle des Saturn/Chronos hin, von dem sich Satyr und Satan sprachlich und astromythologisch ableiten. Wenden wir uns vorerst dem Kamin zu, der uns in vielen Märchen und Visionen als Metapher erscheint. 
So erzählt ein englisches Märchen : Eine Schar Katzen hat sich in einem verlassenen, zerfallenen Haus getroffen, wo ein Mann sie beobachtet, ohne dass die Katzen ihn bemerken. Eine Katze springt auf die Mauer und schreit: "Sag Dildrum, dass Doldrum tot ist." Der Mann geht nach Hause und erzählt seiner Frau das Erlebnis. Da springt die Hauskatze auf und jault: "Dann bin ich jetzt der König der Katzen!" - und verschwindet durch den Kamin. 
Das Motiv des Schachts findet sich auch in der Bibel und der in der Offenbarung des Johannes bei der Öffnung des fünften Siegels (Offb 9,1-2): Da sah ich den Stern, der vom Himmel auf die Erde gefallen war; ihm wurde der Schlüssel zu dem Schacht gegeben, der in den Abgrund führt. Und er öffnete den Schacht des Abgrundes. Da stieg Rauch auf aus dem Schacht, wie aus einem gewaltigen Ofen ...

Dieser Ofen der Apokalypse findet am Sternhimmel seine Entsprechung im Sternbild des rauchenden Altars (Ara), dem südlichsten Sternbild, das im mediterranen Raum sichtbar ist. Michael Scotus nannte das Sternbild Altar noch "puteus sive sacrarius" (Brunnen oder Altar). Gervasius von Tilbury liefert uns eine Erzählung, dass der Stern der Weisen in einen Brunnenschacht von Bethlehem fiel, nachdem er seine Aufgabe, die Magier zu leiten, erfüllt hatte. Sogar die Kaaba von Mekka, mit dem in Silber gefassten Schwarzen Stein, einem Meteor, steht am Ort eines heiligen Brunnenschachtes, dessen Rand einst ein Kubus zierte. Der Brunnen war in vorislamisches Heiligtum des Gottes Hubal, eines Kronos/Saturn gleichgesetzten Gottes. Der Kubus ist altes Symbol von Saturn/Chronos, christlich zu Satan, Inkubus verteufelt.

Auf diesem Altar, der laut Michael Scotus zuvor auch Brunnen genannt wurde, leistete, wie Erathosthenes berichtet, Zeus seinen Eid, bevor er seinen Vater Kronos angriff und ihn vom Himmelsthron warf. Die Inbesitznahme des Himmelsthrones durch Zeus gilt als die erste mythische Götterdämmerung und Zeitenwende der alten Griechen. Sogar der Beginn der griechischen Olympiaden - Zeitrechnung leitet sich davon ab. Auch ein rätselhafter oft zitierter Schwur zwischen Abraham und Abimelech im Alten Testament an einem Brunnenschacht findet so eine Entsprechung: 
Er antwortete: Sieben Lämmer sollst du von meiner Hand nehmen, damit sie für mich ein Zeugnis seien, dass ich diesen Brunnen gegraben habe. Daher heißt die Stätte Beerscheba, weil sie beide miteinander da geschworen haben. Und so schlossen sie den Bund zu Beerscheba
(Mos, 1, 30-32).

Nicht zu vergessen beim Motiv des Schachtes ist auch der Basilisk, eine mythische Figur mit Drachenkörper und Hahnenkopf am Grunde eines tiefen Brunnenschachtes hausend, der nur durch einen blankgeputzten Spiegel zu bannen ist. Das Motiv des Schachtes ist sehr ähnlich den vielen märchenhaften Höhlen , die sich oft auf zauberhafte Weise öffnen oder schließen und meist riesige Schätze oder verwunschene Prinzen und Prinzessinnen verborgen halten und Könige, Kaiser im Inneren bewahren. Wir werden eines davon, später Näher beleuchten.

Der Schlitten

Nikolaus mit Schlitten
Bild: Nikolaus mit Schlitten

Ein unverwechselbares Attribut von Santa Claus ist sein Schlitten, den wir in unzähligen nordischen Felszeichnungen wiederfinden, oft sogar mit einem Baum beladen oder mit einem Sonnensymbol versehen. Ralph Koneckis weist in seinem Buch Mythen und Märchen. Was die Sterne uns darüber verraten glaubhaft nach, dass dem Schlitten das Sternbild Zwillinge entspricht, das bis vor etwa 6000 Jahren auf Grund der Präzession morgendliches Frühlingssternbild war und deshalb die Frühlingssonne ankündigte. Koneckis verknüpft semantisch und astronomisch glaubhaft den Schlitten mit den Zwillingen, dem früherem Frühlingssternbild, in dem die Frühlingssonne das neue Jahr - wie im Märchen Schneewittchen im gläsernen Sarg - wieder zu neuem Leben erwacht. Umgangssprachlich wünscht man sich für das Neujahr im deutschen einen "Guten Rutsch", worin man meinen könnte der Schlitten verbergen sich auch dahinter, doch kommt dies wohl sicher vom jüdischen Rosch (Anfang) und dem Neujahrsfest Rosch Haschana im jüdischen Kalender.

 


Bild: Nordische Felszeichnung, Schlitten mit Sonnensymbol.

Der Baum

Der Weihnachtsbaum, den Santa Claus in seinem Schlitten mitführt, findet ebenso in alten Felszeichnungen seine Entsprechung, wie in Bräuchen zum Frühlingsbeginn oder am 1. Mai. Ein Zusammenhang zwischen diesen beiden Terminen und Bräuchen findet sich nicht nur im jahreszeitlichen Frühlingsbeginn (derzeit 19.- 20. März) und jenem des keltischen Kalender zu beltaine (1. Mai), sondern auch im Nährvater des biblischen Jesus, Josef, dessen Namenstag an diesen beiden Tagen gefeiert wird. Die Errichtung von zeitlichen Merk- und Denkmalen an den Kardinalpunkten des Jahres ist das Motiv dahinter, wie z.B. der Jul Baum, um damit den Himmelslauf durch kalendarische Regeln im Jahreslauf der Erde zu manifestieren. Das Aufstellen von Säulen, Pfählen, Obelisken als Gnomon, um als Zeitanzeiger zu dienen ist uralt und als rituelles Machtsymbol nichts Neues, wie auch das National Monument in Washington D.C. zeigt. Die einstige Sonnenuhr des Augustus in Rom, die zahlreichen in alle Welt verstreuten ägyptischen Obelisken, die wörtlich im Altägyptischen "versteinerte Sonnenstrahlen" hießen und deren Schatten auf Markierungen am Boden so fiel, dass damit Tageszeit und Jahreszeit ablesbar wurde, sind Relikte davon, leider heute oft nur noch Touristenattraktionen oder zu Statussymbolen verkommen. Ja sogar die Bibel zeugt in grausamer Weise von der Wichtigkeit dieser Sonnensäulen, die nicht nur die Zeit anzeigten, sondern auch als Zeichen soziale Funktion erfüllten, wie dies wohl der Christbaum in mancher Familie heute noch tut: Die Sonnensäulen waren oft erstes Angriffsziel bei den Stammeskriegen im alten Testament. Die jüngsten Vorfälle um die Zwillingstürme von New York bringen auch die Worte aus dem Buch Mose traurig in Erinnerung: 
Ihre Altäre sollst du umstürzen und ihre Steinmale zerbrechen und ihre heiligen Pfähle umhauen (2. Mose 34,13) ; und reißt um ihre Altäre und zerbrecht ihre Steinmale und verbrennt mit Feuer ihre heiligen Pfähle, (5. Mose 12,3) und: Sondern so sollt ihr mit ihnen tun: Ihre Altäre sollt ihr einreißen, ihre Steinmale zerbrechen, ihre heiligen Pfähle abhauen (5. Mose 7,5) (Anm.: In vielen Bibelübersetzungen wird "heilige Pfähle" als "Sonnensäulen" übersetzt)

 


Bild: Nordische Felszeichnung: Schlitten mit Baumsymbolen

Der Hirsch

Der Schlitten von Santa Claus wird von Hirschen, bzw. Rentieren gezogen, wovon einer, - rotnasig - den Namen Rudolf trägt.
Ein Blick in die Sternbilder, und der Vergleich mit einem vermutlich alten deutschen, jedoch modernisiertem Gedicht ungeklärter Herkunft, liefert weitere kalendarische und astronomische Hinweise für den Mythos, dass der Weihnachtsmann vom Himmel kommt, jedoch ebenfalls nur unter Berücksichtigung der durch die Präzession jahreszeitlich verschobenen Position der Sternbilder.

Eber, Riese, Himmelskuh 
zählen wir dem Winter zu. 
Hase, Wolf und Menschenpaar 
stellen uns den Frühling dar. 
In Hahn und Hengst und Ährenfrau 
die Sommersonne steht genau. 
Schwalbe, Hirsch und Bogenschütz 
sind des Herbstes feste Stütz.

Diese alten Verse lassen auf den ersten Blick erkennen, dass die zwölf Positionen der Sonne im jahreszeitlichen Lauf dargestellt werden, doch stimmen sie nur zum Teil mit den 12 Tierkreisbildern überein, wie wir sie jetzt kennen. 
Des Rätsels Lösung ist, das in den nordischen Kulturen die Sternbilder andere Namen und Bildinhalte hatten als im mesopotamischen und mediterranen Raum. Einzig Bogenschütz (Sagittarius), Menschenpaar (Gemini) und Ährenfrau (Virgo mit Spika) sind auf Anhieb erkennbar, weisen jedoch durch ihre jahreszeitliche Lage sofort auf das hohe Alter dieser Verse hin. Steht doch derzeit die Sonne weder im Frühling in den Zwillingen, oder im Sommer in der Jungfrau, noch im Herbst im Sternbild Schütze. 
Derzeit wandert die Sonne etwa im Juli durch das Sternbild Zwillinge, mit Herbstbeginn in das Sternbild Jungfrau und erreicht erst zur Wintersonnwende das Sternbild Schütze. Die Verschiebung der Jahreszeiten durch die Präzession gegenüber den Sternbildern in denen die Sonne jeweils steht, muss also Ursache sein, warum diese Verse heute nicht mehr stimmen. Gehen wir von der groben Formel aus, dass etwa alle 2000 sich die Kardinalpunkte um ein Sternbild verschieben, so kommen wir der Lösung näher, denn vor etwa 4000 Jahren bis vor etwa 2000 Jahren, wären die Verse stimmig gewesen, bzw. würden heute noch mit den Tierkreiszeichen oder astrologischen Häusern übereinstimmen, die ja nicht an die Ekliptik, sondern an den Himmelsäquator gebunden sind und sich daher jahreszeitlich nicht durch die Präzession verschieben.

Die konsequente Zuordnung der Sonnenpositionen in den Versen zu den jetzigen Sternbildnamen ist also folgende:
Eber - Capricorn/Steinbock 
Riese - Aquarius/Wassermann 
Himmelskuh - Pisces/Fische 
Hase - Aries/Widder 
Wolf - Taurus/Stier 
Menschenpaar - Gemini/Zwillinge 
Hahn - Cancer/Krebs 
Hengst - Leo/Löwe 
Ährenfrau - Virgo/Jungfrau 
Schwalbe - Libra/Waage 
Hirsch - Scorpio/Skorpion 
Bogenschütz - Sagittarius/Schütze

Von der altnordischen Mythologie und Sternkunde wissen wir deutlich, dass dort Sternbilder wie Skorpion oder Löwe nicht vorkamen, vermutlich weil auch diese Tiere dort nicht bekannt waren, sondern, wie auch Ralf Koneckis in seiner Märchen-Analyse glaubhaft nachweist, wurden ihre Positionen durch die Tiersymbole Hengst (statt Löwe) und Hirsch (statt Skorpion) besetzt. Im hirschgehörnten dreigesichtigen Gott Cerunnos, nach dem auch Jahre benannt und gezählt wurden, widerspiegelt sich dieses Sternbild in vielen alten Darstellungen. 

Um den Leser endlich auf die richtige Spur zu führen, sei nunmehr auf die Milchstraße verwiesen, die sich senkrecht zur Ekliptik über das Firmament als weißes Band erstreckt. Schwan (Cygnus), Himmels-W (Cassiopeia) und Fuhrmann (Auriga) sind die auffälligsten Sternbilder im Band der Milchstraße des Nordhimmels. Das weiße Band durchquert die Bahn der Sonne, die Ekliptik dabei an zwei Stellen: 
Zwischen Zwillinge(Gemini) und Stier (Taurus) auf der einen Seite und zwischen Schütze (Sagittarius) und Skorpion (Scorpio) auf der gegenüberliegenden Seite des Tierkreises. 
Wir sehen also, dass das weiße Band der Milchstraße hoch über das Firmament die zwei märchenhaften nordischen Sternbilder oder Örter nämlich Schlitten (Gemini) und Hirsch (Scorpio) wie die Zügel eines Fuhrwerks verbindet. Damit haben wir einen Schlüssel zur Herkunft Santa Claus gefunden und können mit Rudolph, dem rotnasigen Rentier Antares identifizieren, den rotleuchtenden Hauptstern des Skorpion (Hirsch).


Bild: Petroglyph mit Hirsch und Milchstrasse (Koneckis) 


Bild: Felsbild; Hirsch mit Reiter

 

Es gibt aber noch weitere mythische Hinweise, wie das Grimm'sche Märchen "Der Gläserne Sarg". Darin wird das Schicksal eines Schneiders erzählt, der sich im tiefen Wald verirrte. Es rettet ihn ein Hirsch, der soeben einen Stier getötet hat, zum Eingang einer Höhle, worin in einem gläsernen Sarg eine wunderschöne Maid zu neuem Leben erwacht. 
Volle Version des Märchens unter http://www.maerchenlexikon.de/khm/khm-texte/khm163.htm

Das Märchen erzählt bildhaft mit Hilfe der Sternbilder das Erwachen der Frühlingssonne zu einer Zeit, als diese vor mehr als 6000 Jahren sich wegen der Präzession noch im Sternbild Zwillinge (Schlitten bzw. Sarg) befand. Derzeit steht die Sonne zum Sommerbeginn ja in den Zwillingen, da sich die Jahreseckpunkte seit damals durch den Erdkreisel um drei Sternbilder verschoben haben. Dem Märchen "Der gläserne Sarg" scheint eine Himmelsbeschreibung der Tungusen verwandt. Sie nennen die Milchstraße "Schneeschuhspuren des Bären", der einen Hirschen die Milchstraße entlang hetzte und die Gliedmaßen rechts und links des weißes Bandes zerstreute.


Milchstrasse zu Frühlingsbeginn vor 6000 Jahren
Bild: Sternhimmel am Frühlingsmorgen vor 6000 Jahren

 

Milchstrasse zu Frühlingsbeginn derzeit
Bild: Sternhimmel am Frühlingsmorgen derzeit

Krampus, Knecht Ruprecht

Bei der Betrachtung des Weihnachtsmanns darf sein "alter Ego", sein ihm folgender dunkler Schatten aus alter Zeit nicht vergessen werden. Percht, Bartl, Krampus, Knecht Ruprecht oder Rotsohler sind nur einige der vielen Namen des dämonischen Nikolaus-Begleiters, der meist mit einem Pferdefuß, Butte, Rute und Kette ausgestattet ist, und der nach der Tradition auch ein Symbol für den Wintereinzug sein soll. In manchen noch immer aufgeführten Krampusspielen der Steiermark wird seine Herkunft von der früheren Gottheit Odin/Wotan deutlich, der auch als Anführer der sogenannten Wilden Jagd, des Wodansheers gilt. Erwähnenswert ist hier die Figur des Rübezahl, eine deutsche riesenhafte Sagengestalt, die beinahe eine Mischung aus Krampus und Nikolaus darstellt.

Rübezahl
Bild: Rübezahl

Theodor Storm hat dem Knecht Ruprecht ein literarisches Denkmal gesetzt, das seine dunkle Seite als Krampus ganz vergessen lässt: 
Von drauß´, vom Walde komm´ ich her; 
Ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr. 
Allüberall auf den Tannenspitzen 
sah ich goldene Lichtlein blitzen. ....

Die Wilde Jagd

Dieser Geisterzug, ist unter vielen Namen bekannt, wobei Sälig Lüt, Sälig Volk, Wilde Jagd, Höllische Jagd, Wotansheer nur einige sind. Im alten Volksglauben ist sie eine Versammlung toter Seelen, die zu bestimmten Zeiten meist zur Mittenachtstunde mit Lärm, Hunden und Pferden durch die Nacht zieht, bis sie ein Hahnenschrei zum verstummen bringt. Angeführt kann die himmlische Herrschaar nicht durch Wotan werden, sondern auch durch andere Gestalten, wie König Artus, König Herle, Herlequinn, Herlethingus, Frau Holda, Frau Holle oder Berchta. Von Walter Map und seinem um 1200 CE in Wales entstandenen Werk stammt die bekannteste dieser Legenden des sagenhaften Königs Herle, der einst zum Kriegszug ausgezogen war und mit dem Geisterheer zurückkehrt. 
Siehe  Webseiten zur Wilden Jagd  (http://www.pitt.edu/~dash/huntsman.html) 

In der Kunst begegnet uns diese Sagengestalt in Goethes Gedicht "Der Erlenkönig" und in der Comedia dell'arte als Harlekin wieder, der durch einen Spiegel in das jenseitige Reich zu flüchten versucht, aber auch den Karnevalszug anführt, mit dem der Fasching am 11. 11. um 11 Uhr 11 beginnt. Traditioneller Weise fand dann der letzte Tanz vor der Fastenzeit statt und die Gänse wurden als erste geschlachtet, um sie nicht als unnütze Esser über den Winter zu füttern. Der Karneval hat seinen Namen vom lateinischen "carne vale", was soviel wie "Leb wohl, Fleisch" bedeutet und erreicht seinen Höhepunkt nach dem Faschingsdienstag 40 Tage vor Ostern.

Harlekin
Bild: Harlekin

Die unterbewusste Verbindung der wilden Jagd und Santa Claus drückt sich in einer Karikatur des Magazins "Eulenspiegel" sehr klar aus. 

Eulenspiegel
Bild: Titelbild Eulenspiegel

Es war einst bäuerlicher Brauch für die Toten kleine Gaben ins Fenster zu stellen, ja manche Bauern ließen sogar am Feld einen Teil der Ernte zurück, um damit die toten Seelen zu beschenken. Leicht ist daher der Übergang zu Halloween zu finden, wo als Geister verkleidete Kinder mit dem Ruf "Süsses, sonst gibst's Saures" oder "Rat oder Gabe" (trick or treat) um kleine Geschenke heischen.

Samuin, Halloween, All Hallow Eve, Allerheiligabend, Heiligabend

Zwischen Herbstäquinoktium und Wintersolstitium, etwa um den derzeitigen Novemberbeginn wurde einst das nordische Ahnenfest samuin gefeiert. Es liegt wie imbolc (dzt. Anfang Februar), beltaine (dzt. Anfang Mai), lugnasad (dzt. Anfang August) in der Mitte der heutigen vier jeweiligen Jahreszeiten. Sie alle finden allerdings, da zum Teil vom Mond abhängig, keinen dauernden festen Platz im jetzigen Sonnenkalender, sondern sind um etwa 14 Tage beweglich. Ein ganz kurzer Rückblick soll Namen und Entstehung dieser Feste erläutern, deren genaues Datum aber kaum zu rekonstruieren ist:

Die Feste entstanden laut dem irischen Mythos durch die Tuatha De Danann (Stämme der Göttin Danann), die als Nachkommen des Nemed im Osten die Zauberkunst erlernt hatten und in Irland landeten. Imbolc leitet seinen Namen einerseits von oimelc (der ersten neuen Milch der Schafe nach dem Winter) aber auch von im-folc (Rundumwaschung), einem Reinigungsritual, wofür auch der Termin 40 Tage nach der Wintersonnwende spricht, her. Dagdae, eine Göttervatergestalt der Tuatha De Danann, hatte eine Tochter namens Brigid, die als Lichtgöttin Vorbild der christlichen St. Birgit wurde bzw. im katholische Kalender durch das Fest Maria Lichtmess ersetzt wurde. 
Siehe auch den Zusammenhang von Mondlauf, Marien- und heidnischer Feiertage auf Webseite http://www.calendersign.com/de/kalenderkunde/marienfeiertage/

Beltaine hat seinen Namen vermutlich vom Bel-Feier, das zu Ehren des Gottes Belenus entzündet wurde. Sein Termin entstand im irischen Mythos ebenfalls der Sage der Tuatha De Danann, als es nach deren Landung zur ersten Schlacht von Mag Tuired (Ebene der Türme) kam, wobei Beli Mawr eine Rolle spielte. Maifeiern und Maibäume erinnern an diese Tradition.

Lugnasad, das Hochsommerfest ist nach Lug benannt, dem auch die Stadt Lyon (Lugdunum) seinen Namen verdankt. Das Fest wird zur Erinnerung an den Tod seiner Amme und Frau Tailtiu gefeiert, die wie die irisch-keltische Sage erzählt, ermattet nach der schweren Sommerarbeit verstarb. Als Jahrmarkt, Bergfest und Familientreff lebt heute noch diese Tradition weiter, wo einst Brautschau, Verlobungen und ausgelassene frivole Gelage stattfanden. Als Großer Frauentag fand das Fest in den Volksmund und als Maria Himmelfahrt am 15. August in den katholischen Kalender Eingang.

Samuin leitete die keltische Winterzeit ein, und laut irischem Mythos fand die zweite Schlacht von Mag Tuired zu samuin statt. Auf Englisch Hallowe'en genannt, war es Anlass der Ahnen zu gedenken, denn dann seien die Hügel der Elfen offen, um mit der Anderswelt in Kontakt zu treten. In der samuin-Nacht fanden die Prophezeiungen für das kommende Jahr statt und es versteht sich, dass sich damit auch Opfer verknüpften. Die irische Sage erzählt, dass der König am Vorabend von samuin in Mag Slecht drei Viertel seiner Untertanen bei einem rituellen Massenselbstmord mit sich in den Tod nahm, um das Kultbild des Cenn Cruach (blutiger Kopf) zu ehren und damit Fruchtbarkeit und Frieden in Zukunft zu sichern. Bei der zweiten mythischen Schlacht von Mag Tuired bei der die Tuatha De Danann ebenfalls zu samuin siegreich hervorgehen, spielt auch der rätselhafte Gott Ogma, in Gallien Ogmios genannt, eine wichtige Rolle. Er wurde wegen seiner berserkerhaften Kraft meist mit Ketten (wie der Krampus) dargestellt ist. Mit Hilfe von Fluchformeln angerufen, könne er den Feinden bösen Schaden zufügen, dachte man. Ihm wird die Entstehung der Oghamschrift und der Highland Spiele zugeschrieben. 
Im ältesten gallischen Kalender, der nach dem Ort seiner Entdeckung im Jahre 1897, Coligny, genannt wird, galt samuin zugleich auch als Jahreswechsel. 
Das christliche Totenfest Allerheiligen wurde ursprünglich am Sonntag nach Pfingsten gefeiert und fand erst, wohl um dem nordischen Brauchtum Genüge zu tun, während der Christianisierung um 837 CE durch Papst Gregor IV seinen Platz am 1. November. Das Fest wird in letzter Zeit zunehmend ausgelassener auch mit Masken gefeiert und sein Vorabend wird auch All Hallow Eve genannt. Allerheiligenabend und Heiligabend sind somit nicht nur sprachlich eng verwandt, sondern auch gedanklich und kalendarisch, da der eine beim keltischen Winterbeginn zu samuin, der andere bei der Wintersonnwende zu Weihnachten liegt. 


 

Jahreskreis
Bild: Jahreskreis mit keltischen Festen, Jahreseckpunkten und Marienfeiertagen (Copyright CALENdeRsign)

Die Wintersonnwende

Dieser Angelpunkt des Jahres, wo die Sonne auf der nördlichen Hemisphäre zu Mittag ihren tiefsten Stand und ihren südlichsten Auf- und Untergangspunkt am Horizont erreicht, manifestiert sich in vielen megalithischen Steindenkmälern, wie dem steirischen Teufelstein bei Fischbach, dessen Sage eng mit einer der dort beheimateten Krampusgestalt verwandt ist. Die Liste der steinzeitlichen Kalenderanlagen, die auf diesen Tag ausgerichtet sind, ist lang und Stonehenge, und das irische Nationalheiligtum New Grange sind nur zwei weitere Beispiel dafür. Rund um die nördliche Weltkugel feierte man diesen Zeitpunkt, von dem an die Sonne wieder an Kraft zunimmt, zu Ehren einer Saturn/Chronos ähnlichen Gottheit. Zur Wintersonnwende wurden im antiken Rom zu Ehren des Saturn die Saturnalien mit Generalamnestien gefeiert, bei denen die Herren ihre Sklaven bedienten. Im Mithraskult, der besonders bei den römischen Legionären weit verbreitet war, wurde das Fest sol invictus zu Ehren der unbesiegbaren, von diesem Tag an wieder stärker werdenden Sonne gefeiert. Von diesem Stierkult wurde Vieles ins Christentum übernommen, so auch die zentrale Gebetsformel der Stiertötung, deren Wortlaut, "Wer nicht von meinem Blut trinkt, der wird das Heil nicht haben" sich spiegelbildlich in der christlichen Eucharistie wiederfindet. Die Mithräer legten auch besonderen Wert auf die Ausrichtung und Anordnung ihrer Heiligtümer nach dem Lauf der Sonne. Allerlei Lichtspiele der Sonnenstrahlen, die je nach Sonnenstand für besondere Magie sorgten, wurden für religiöse Zwecke genutzt. Auch davon finden sich zahllose Parallelen in katholischen Kirchen.
Auf diesen Kardinalpunkt (von Lat. cardo = Angel) des Jahres (25. Dezember im Julianischen Kalender vor 2000 Jahren) wurde im Christentum das Jahresfest der Geburt Christi gelegt, dessen Fleischwerdung (Inkarnation) neun Monate zuvor auf das Datum von Maria Verkündigung (25. März), das einstige Frühlingsäquinoktium festgelegt wurde. Diese beiden Angelpunkte des Jahres sind also durch die durchschnittliche Schwangerschaftsdauer verknüpft.

Die Milchstraße als Weg der toten Seelen

Wie wir schon oben beschrieben, war und ist die Milchstraße, ihre Stellung in Jahreslauf und ihre spirituelle Bedeutung für die Menschen von großer Wichtigkeit. Ihre Eigenschaft als Heimstätte der toten Seelen scheint global so gesehen worden zu sein und fand in vielfältiger Weise als Ort der Seelenwanderung seinen Ausdruck. Den Ort der Toten, im Mythos der alten Griechen Hades genannt, erreichte man durch Übersetzen des Flusses Styx, über den der Fährmann Charon die toten Seelen ins Reich des Hades geleitet, womit die Milchstraße hier als bildlicher Hintergrund eines himmlischen Wassers fungiert, das im Krug des Wassermanns seinen Ursprung nimmt. Der Mythos der Sintflut, archäoastronomisch betrachtet, stammt aus einer Zeit, als die Milchstraße auf Grund der Präzession noch in einer Position war, dass zum Morgen des Frühlingsbeginns ihr markantes Band genau im Osten in den Horizont eintauchte.

Milchstrasse am östlichen Frühlingshorizont vor 6000 Jahren
Bild: Die Milchstraße am östlichen Frühlingsmorgenhorizont vor 6000 Jahren.

Die Kolurlinie, der Meridian vom nördlichem Himmelspol zum Frühlingspunkt und das Band der Milchstraße lagen einst nämlich übereinader. Über die Lage der Milchstraße vorbei am Himmelspol und entlang der Mittags- oder Meridianlinie und ihre Eigenschaft als Heimstätte mächtiger Geister berichtet der Psalm: 
non timebis a timore nocturno, a sagitta volante in die, a negotio preambulante in tenebris, ab incursu et daemonio meridiano. (Ps. 91:5-6) 
Deutsch: Seine Wahrheit ist Schirm und Schild, dass du nicht erschrecken musst vor dem Grauen der Nacht, vor den Pfeilen, die des Tages fliegen, vor der Pest, die im Finstern schleicht, vor der Seuche, die am Mittag Verderben bringt. 

In seinem lateinischen Commentarii in Somnium Scipionis (Kommentar von Scipios Traum) erklärt Macrobius, ein Schreiber des 5. Jh.. dass die Milchstraße die Wohnstätte der toten Seelen von machtvollen Menschen sei und beschreibt sie als einen auf den Tierkreis senkrechten Kreis. Er nennt sie Mittagsdämon (daemonio meridiano), eine Versammlung von höchst gelehrten Geistern ( collegio spirituum sapientissimorum), die man sehr zu fürchten hat (de quibus valde timendum est). Auch Michael Scotus betrachtet die Milchstraße als den Sitz der Seelen und nennt sie "demon meridianus seu galaxia" (Mittagsdämon oder Galaxis).

Mittagsdämon
Bild: Darstellung des Mittagsdämons aus Scipions Traum in einem Codex des 14. Jh.

 

Daemon merdianus
Bild: Mittagsdämon (Dittamondo by Fazio degli Uberti 15. Jh.)

Daemon merdianus
Bild: Mittagsdämon (Fresco im Palazzo della Ragione in Padua, 1420)

 

Daemon merdianus
Bild: Mittagsdämon (Liber Introductorius 15. Jh.)

Viele weltweit ähnliche Mythen ranken sich noch heute um das ungeheuer riesige Tier, welches mit einiger Phantasie die Umrisse der Milchstraße ergibt. Manchmal ist es ein Hund oder ein Wolf, der aus einer nördlichen Mühle Mehl stielt und über den Himmel davonläuft. So nennt der amerikanische Indianerstamm der Pawnee die Milchstrasse noch heute "Hundeweg" und bewahrt dieses Wissen in Heiligen Bündeln auf, die Sternkarten enthalten. Einen ähnlichen Zugang liefert auch das amerikanische Lakota Volk, wo das helle Himmelsband Wanaghi Tachanku, Weg der Geister, heißt. Im Altholländischen heißt die Galaxie "Brunelstraat", nach Brunel, dem brauen Vetter des diebischen Reineke Fuchs. Ein weiteres Bindeglied findet sich in einigen französischen Provinzen, wo die Milchstraße "Seelenweg" genannt wird und bei den schon erwähnten Tungusen, wo sie die Schneespuren eines hirschjagenden Bären sind. Ein sehr ähnliches Motiv findet sich weiterhin in Wehrwolfgeschichten, die früher Angst und Schrecken verbreitete, ja sogar in frühchristlicher Ikonographie, wo St. Christopher hundsköpfig dargestellt wurde. 

St. Christopher mit Hundekopf
Bild: St. Christopher mit Hundekopf

Als blutsaugendes Nachtgespenst aus einer anderen Welt - jenseits des finsteren Waldes, genannt Transsylvanien - lebt diese Jenseitsvorstellung noch immer in modernen Fantasyfiction Filmen weiter. Somit wird verständlich, dass Giordano Bruno ein stark religiös besetztes Feld berührte, als er sagte, dass die Fixsterne und damit auch die Milchstraße Orte anderer Sonnen, mit anderen Planeten und anderen Menschen und anderen Göttern seien. Ihn deshalb aber als öffentliches Schauspiel (geplant war der Neujahrstag 1600) am Campo dei Fiori am Scheiterhaufen zu verbrennen, wird als ewiges Fanal das Ansehen der katholischen Kirche beflecken.

Soweit ein kleiner Überblick über die vielen alter Bilder, in denen sich die Milchstraße darstellt, wobei die Zügel zwischen Hirsch und Schlitten des Weihnachtsmanns nur eines von vielen ist, und womit die räumliche Stellung eine zeitliche Aussage macht und somit Raum und Zeit verknüpft sind.

Das Bild passt als einstiger Frühlingsmythos sogar zum derzeitigen Stand der Sonne im Winter, die zu Weihnachen und Jahresbeginn im Schützen steht und daher gerade noch steht den Rand der Milchstraße berührt, da sich ihre Ste

Milchstrasse und Sonne zur Wintersonnwende 2000 CE
Bild: Position der Sonne am Tierkreis und Milchstraße zur Wintersonnwende derzeit.

Christliche Bildwörter und Ikonographie:

Die Verlagerung des früheren Neujahrbeginns im März, woran die Monatsnamen September bis Dezember als siebenter bis zehnter Monat noch erinnern, zur Wintersonnwende, zusammen mit der Festlegung des Christi Geburtsfestes dorthin, haben den Ablauf der vergangenen Präzessions - Zeitalter mit ihren Frühlingssternbildern zwar verwischt. Dennoch lassen auch christliche Bilder die ursprünglichen, noch immer nicht verblassten Symbole anklingen. Den Mythos der Geburt von Jesus, dessen erstes Symbol, das Piktogramm ICHTHYS das Frühlingssternbild Fische vor 2000 Jahren darstellt, umrahmen in Anspielung an frühere Zeitalter diese einstigen Frühlingssternbildsymbole: 
Zwillinge: In alten arabischen Sternkarten findet sich dafür noch der Name Krippe. In altbabylonischen Texten hießen die Hauptsterne nördlicher und südlicher Esel. 
Stier: Als Ochse steht er an der Wiege Jesu und als Goldenes Kalb findet er sich beim Exodus des Moses wieder, dem Vorläufer von Jesus. 
Widder: Schäfer waren die ersten, die sich in Bethlehem einfanden und als Opferlamm (Agnus Dei) ist es noch immer Höhepunkt der Messfeier der gläubigen Christen.

Erinnern wir uns abschließend, dass der Weihnachtsmann eine uralte Geschichte erzählt, die unbewusst sogar die Kinder in den modernen Comics wiederholen: Wer ist das Vorbild von Bart Simpson, Homer Simspon, ihrem Hund Knecht Ruprecht (Santa's Little Helper), die alle in Springfield (Frühlingsfeld) leben?

Wiederholen wir alle damit immer und immer wieder nur uralte Mythen, gerade so, als ob es nichts Neues auf diesem Planeten zu erfinden gäbe? Sogar dann, wenn wir neue Konsumtempel nach dem Vorbild alter Kathedralen bauen, um der Ökonomie zu dienen, die sich sprachlich von oikoumenos ableitet, den Häusern (oikos) der Planeten am Tierkreis. Bedenken wir dabei auch das Hauptziel der Wirtschaft, die Konjunktur, die sich ebenfalls mit einem Begriff aus der Sternkunde verwandt zeigt: die Konjunktion, das Treffen der Planeten. 
Treffen wir deshalb unsere Familie, unsere Lieben und Freunde am Heiligen Abend und am Altjahrestag, um an dieser zeitlichen Grenze mit ihnen gemeinsam in eine neue Periode eintreten? Im alten Rom war dieser Tag des Jahreswechsels dem zweigesichtigen Gott Janus gewidmet ... zurück und vorausblickend.

Auf dass die Wintersonne nach den dunklen, kalten und langen Nächten ihren Weg höher hinauf zum Himmel immer und immer wieder erklimmen möge ...

Editiert CEP 245 453 (1000. Tag seit 1-1-2000)