DIE ZEITENWENDE 2. Teil
Die wahre bisher verborgene Absicht der Festlegung des Jahres Christi Geburt und seine Bedeutung für das Jahr 2000.
(Mit einem Auszug aus der neuen Factstory "WIRKLICHT" von Sepp Rothwangl)
Inhalt:
- Das Wissen um die Himmelsläufe wird Machtinstrument
- Aryabhata, ein Zeitgenosse von Dionysius.
- Das Olympische Symposion als Vorbild für eine Konjunktion aller Planeten.
- Die Errichtung der Jahreszählung Dionysius Exiguus
- Andere Jahreszählungen des frühen Christentums
- Das Liber de Paschate.
- Das Jahr 531, ein Jahr mit einer Konjunktion aller Planeten.
- Ein Textfragment des "Liber de Paschate" mit einem abgewandelten Zitat daraus und Planetenperioden aus den "ewigen Tafeln".
Zusammenfassung und Schlussfolgerung.
Rückblick
Teil 1 des Artikels über die Zeitenwende beleuchtete das astronomische Wissen, dessen Umfeld prägend für das Weltbild der Antike war, und wo die Wurzeln und der Ursprung der heute üblichen Jahreszählung zu finden sind. Näher eingegangen wurde dabei auf die Planetenperioden, deren gemeinsames Vielfaches aller Umlaufzeiten "Großes Jahr" hieß, wobei das Jahr, in dem, von der Erde aus gesehen, alle Planeten an einem Himmelsort zusammenkommen, von Aristoteles sogar Größt-Jahr genannt wurde. Ein zweiter wichtiger Punkt bei dieser Betrachtung ist auch die Präzession, deren Konstante für 1° des Fortschreitens der Äquinoktien in den antiken Schätzungen im Wesentlichen die beiden Werte 100 und 66,6 Jahre betrug und erst im endenden Mittelalter mit 75 Jahren genauer dem heutigen Wert von 71,66 Jahren angenähert wurde. Aus diesen Schätzungen ergäben sich für 30° Präzession (1/12 des Tierkreises) Zeiträume von 3000, 2000 und schließlich 2150 Jahre. Der volle Erdkreisel dauert etwa 25800 Jahre und wird "Platonisches Jahr" genannt.
Der nunmehrige Teil behandelt die Umstände der Einführung der Jahreszählung im derzeitigen abendländischen Gregorianischen Kalenders, deren Beginn gemeinhin ab Christi Geburt lautet und die Jahre v. Chr. (BCE und n. Chr. (CE) bezeichnet.
1. Das Wissen um die Himmelsläufe wird Machtinstrument
Das Leben und der Lauf der Zeit hängt für alle Menschen wesentlich von den Bewegungen der Erde bei ihrer Bahn um die Sonne ab. Das Wissen um die Zusammenhänge dieser Gestirnsläufe und ihre insgeheim verborgene Umsetzung bestimmen heute wesentlich die Zeiteinteilung der ganzen Welt mit dem Gregorianischen Kalender. Jahr und Tag also Sonnenumrundung und Eigenrotation der Erde sind die Grundeinheiten dieser Zeitrechnung. Wie es zur Jahreszählung dieses Kalenders kam, der uns letztendlich nicht nur das Jahr 2000 bescherte, sondern auch jeden Tag vorschreibt und benennt, und wie die Kirche diese Jahreszählung einrichtete und bisher daraus Nutzen zog, wird im Folgenden auf den Grund gegangen. Die schlagwortartigen Sätze „Zeit ist Geld“ und „Geld ist Macht“ führen nämlich unweigerlich zur Schlussfolgerung „Zeit ist Macht“, oder genauer: „Zeiteinteilung ist Machtausübung“! „Man teile mit dem Kalender den Menschen die Zeit ein und schon hat man sie wie Puppen am Gängelband" könnte man eines der Maxime der christlichen Kirche bezeichnen. Sichtlich allen Religionen wohnt dieser Mechanismus inne, den jeweiligen Mitgliedern mit Hilfe traditioneller Feste, Zeremonien usw. die Zeit einzuteilen. Die katholische Kirche hat es aber in kaum nachahmbarer Weise verstanden, ihr Wissen um die Zeiteinteilung auch in Machtausübung umzumünzen. So scheute sie dabei kaum ein Mittel, um ihrem Kalender zum Durchbruch zu helfen, um damit ihre Gläubigen an sich zu binden. Sie benutzte den Kalender geradezu, um mit ihm den Menschen ihr ureigenstes freies Gut - nämlich die Zeit – einzuteilen und damit ihr Leben zu bestimmen. Die Gläubigen opfern letztlich dafür sogar ihre irdische Lebenszeit und tauschen sie für die von der Kirche versprochene jenseitige Zeit. Sie scheuen weder Mühe, Schweiß noch Geld, ja verzichten sogar auf Kindersegen und Familie, wenn Ablass und Zölibat das fordern. Mit Konsequenz wurden nichtchristliche Zeiteinteilungen bekämpft und zerstört, sodass z.B. vom mittelamerikanischen Mayakalender gerade mal zwei Blätter das Feuer der Inquisition überlebten. Vorchristliche Kalendermonumente und Sternkunde wurden tabuisiert und verteufelt, wie die Zeugnisse Stonehenge oder Teufelstein es belegen und wer sich mit trotzdem damit beschäftigte als Hexe(r) verbrannt. Das Monopol für das riesige Geschäftsfeld "Zeitvertrieb" war damit gesichert und vor fremden Zugriff mit dem Gebot " Du sollst den Tag den Herrn heiligen" besser geschützt als mit jedem Patent. Die Zeit und ihre Einteilung war damit von Gott gegeben und die halbe Welt schien in Unwissenheit und Hörigkeit gehalten ... bis zum St. Nimmerleinstag.
2. Aryabhata, ein Zeitgenosse von Dionysius.
Der indische Astronom Aryabhata von Kusumpara (476 - ca. 550 C.E.) berechnete mit Hilfe der Perioden der Planeten den Beginn des indischen Zeitalters Kali Yuga und legte es auf den Tag einer Konjunktion aller Planeten 3600 Jahre vor seiner Zeit fest. An diesem Tag standen tatsächlich alle damals bekannten Planeten, von der Erde aus gesehen, beinahe an ein und demselben Himmelsort. Zu diesem Zeitpunkt, so lautet das Denkmodell, begannen gleichsam alle unterschiedlich schnellen Kreisläufe der Himmelskörper wieder von vorn, wie wenn all die diversen Zeiger einer Stoppuhr auf Null zugleich übereinanderstehen, um danach in unterschiedlichen Geschwindigkeiten das Zifferblatt zu umeilen. Dieser Zeitpunkt entspricht dem 17. Februar des Jahres 3102 BCE.

Bild: Planetenkonjunktion von 17 - Feb - 3102 BCE; JDN
588465
Rektaszension: Mond 21h 2m; Sonne 20h 27m; Merkur 19h 25m; Venus 21h 20m; Mars
20h 14m; Jupiter 21h 22m; Saturn 18h 29m.
Das Wissen um dieses Planeten-Ereignis könnte
vielleicht historisch durch die Sassaniden bis etwa 500 CE überliefert worden
sein, wurde aber zumindest danach von persischen und später auch von arabischen
Chronologen als Zeitpunkt der Großen Flut bezeichnet. B.L Van der Waerden
und E. S. Kennedy konnten in jüngster Zeit nachweisen, dass das genaue Datum
der Flut bzw. des Kali Yuga durch Aryabhata mit Hilfe von sogenannten ewigen
Planetentafeln durch Rückberechnung erfolgt ist. Dieses Jahr der Flut hat
jedoch sicher kaum mit einer tatsächlichen irdischen Überschwemmungskatastrophe
zu tun, ausgelöst durch meteorologische oder klimatische Einflüsse, und schon
gar nichts mit einer tatsächlichen Erschaffung des Menschen, dessen Existenz ja
Million Jahre zurückreicht, sondern ist ein Versuch einen fiktiven Fixpunkt der
Zeit in der Vergangenheit zu finden und zu markieren. Die Flut mag dabei die
Stellung der Milchstraße bedeuten, die sich vor etwa 5500 Jahre wegen der Präzession
unmittelbar beim Frühlingspunkt befand. Das Band der Milchstraße und die
Kolurlinie vom einstigen Polarstern Thuban zum Frühlingspunkt deckten sich
daher einst, weshalb die Sternenflut der Milchstraße am Morgen des ewigen
Stichtages, dem Frühlingsäquinoktium, sich damals in das Morgenrot dieses
Tages ergoss.
Aryabhata von Kusumpara hinterließ jedoch ein astronomisches und mathematisches
Werk, dass bisher kaum erkannt und geschätzt wurde. Niemand vor ihm ist
bekannt, der einen genaueren Wert der Kreiszahl Pi errechnete, dessen Wert
uns Aryabhata mit folgender Regel angibt:
"Gib 4 zu 100, multipliziere es mit 8 and addiere 62.000. Das Ergebnis
ist der Kreisumfang, wenn der Durchmesser 20.000 ist." Wie sich leicht
errechnet, ergibt der Bruch 62.832/20.000 die Zahl 3,1416. Dieser Wert für Pi
reicht auch heute noch meist aus, und
ist jenem der übrigen Antike mit 22/7 (3,14285) weit an Genauigkeit überlegen.
(Pi: 3,1415927)
Auch die mathematische Lösung von Gleichungen erster Ordnung, Schlussrechnung,
Trigonometrie und Sinusrechnung waren Aryabhata bekannt. Auch rechnete er
bereits mit dem dezimalen Zahlensystem und von ihm dürfte dieses Zahlensystem
über die Araber ins Abendland gekommen sein.
Seine Zeitrechnung umfasste die folgenden Maßsysteme:
Indisches Maßsystem Aryabhatas: In heutigen Maßen
18 nimisha (Wink) = 1
kastha 18 x 0.1777 sec = 3,2 sec
30 kasthas
= 1 kala
30 x 3,2 sec = 96 sec = 1,6
min
15 kalas
= 1 nazhika 15 x 1,6 min
=
24 min
2 nazhikas
= 1 muhurta 2 x 24 min
=
48 min
30 muhurtas = 1 aho ratra 30 x 48 min =
24 Std.
Die Jahre sind zu folgenden Großperioden zusammengefasst:
360 Jahre
= 1 Yuga, Jahr der Götter
432 000 Jahre =
Kali Yuga
Davor war das Dvaparayuga mit 2 x 432 000 Jahren.
Davor das Tetrayuga mit 3 x 432 000 Jahren und wiederum
davor das Kritayuga mit 4 x 432 000 Jahren.
Sein Hauptwerk, das Aryabhatiyam, enthält seine Planetentheorie und die Planetenperioden, mit deren Hilfe er den Beginn des Kali Yuga auf eine Konjunktion aller Planeten datierte. Er sagt dazu wörtlich: "Als sechzig mal sechzig und dreiviertel (Jahre) seit Beginn des jetzigen Kali Yuga vorüber waren, sind 23 Jahre seit meiner Geburt vergangen." Am 18. Februar 499 CE waren also 3600 Jahre seit Beginn des Kali Yuga vergangen und folglich wurde Aryabhata im Jahr 476 CE geboren.
Bild:
In solche Palmblätter oder Streifen aus Birkenrinde wurde das Aryabhatiyam
mit schwarzer Farbe eingeritzt.
3. Das Olympische Symposion als Vorbild für eine Konjunktion aller Planeten.
Was für Aryabhata mit den bekannten Planetenperioden mit
Blick in die Vergangenheit möglich war, galt sicherlich auch für Dionysius,
nur mit Blickrichtung Zukunft. Was ihm dabei auffallen musste, war der Umstand,
dass eine vergleichbare Sternstunde fast genau 2000 Jahre nach den biblischen
Ereignissen um Jesus auftrat. Der Zeitraum von 2000 Jahren als Dauer eines
Zeitalters (Dauer eines Frühlingssternbilds) auf Grund der insgeheim
angenommenen Präzessionskonstante von 66,6 Jahren pro 1°, bekam damit
herausragende Bedeutung. Sie war der eigentliche Grund für die Wahl jenes
Jahres, das in der Folge das Jahr 1 A.D. wurde!
Das Jahr 1 seiner neuen Zeitrechnung hat Dionysius nämlich genau um ein
Zeitalter (das er an Hand der Präzessionskonstante 6-6-6 auf 2000 Jahre
lang vermutete) vor die Wiederkehr des Großen Jahres platziert. Damit hat er
festgelegt, dass genau im 2000 Jahr seiner Zählung, dieselbe
Planetenkonjunktion auftritt, wie am Beginn vieler Zeitalter! Eine Konjunktion
aller Planeten.
Die Behauptung der christlichen Theologen, dass die Berechnung des Dionysius nur
ein fiktives Datum ergäbe und auf ungenauen und falschen Daten basiere, ist
somit schlichtweg unglaubwürdig. Die Berechnung des Dionysius ergibt im
Gegenteil, dass genau 1999 Jahre nach dem Jahr 1 seiner Jahreszählung das
zweite Millennium und eine der Großen Flut entsprechende Planetenstellung
auftritt, und diese ein neues Zeitalter einläutet. Einer Fülle weiterer
antiker Weltbilder und religiöser Glaubensvorstellungen wurde damit Genüge
getan.
Eine dem Kali Yuga und der Flut entsprechende Konjunktion aller Planeten findet
sich nicht nur am Beginn vieler Zeitrechnungen, wie schon in
Teil 1 gezeigt wurde, sondern auch in bildhaften und mythischen
Beschreibungen, wie dem Olympischen Symposion, das in der griechischen Sage nach
Erschaffung der Menschen aus Lehm durch Prometheus stattfand.
Dieses Symposion aller Olympischen, also himmlischen Götter beschreibt in einer
alten bildhaften Symbol- Sprache nichts anderes als eine Zusammenkunft aller
„alten“ Planeten, bedeuten doch beide Worte eigentlich dasselbe, nämlich
Konjunktion „Zusammenkunft“ und Symposion (griech.:sumposon)
„Trinkgelage oder Gastmahl", also das „gemeinsame Zusammensitzen beim
Mal“!
4. Dionysius Exiguus
Zeitgenosse Aryabhatas in der ersten Hälfte des 6. Jh. im Abendland war Dionysius Exiguus, dem die derzeit übliche Zählung der Jahre zugeschrieben wird. Dionysius, geborener Skythe, (heuete Tschetschenien) war Sternkundiger, Kanonist, Übersetzer der griechischen Werke für den Papst und Computist neuer Ostertafeln. Das Geburtsjahr von Dionysius ist unbekannt, sein Todesjahr dürfte 543 CE gewesen sein. Seine wichtigsten auf uns gekommen Werke sind die „Hispania“ und die „Dionysiana“ mit dem darin enthaltenen, auch „liber de paschate“ genannten Osterbuch. Darin schlug er eine neue Jahreszählung nach der Inkarnation Jesu Christi vor, die bis heute weltweit übliche Zählung, wie sie auch im Gregorianischen Kalender verwendet wird.
Keineswegs war jedoch Dionysius der erste Erfinder einer Jahreszählung ab
Christi Geburt, wie viele fälschlich glauben. Eine solche war, wie der aus
Barcelona stammende Jose Vives in seiner sorgfältigen Studie „Inscripciones
cristianas de la Espana Romana y Visigoda“ nachweist, seit der zweiten Hälfte
des 3. Jh. schon bekannt und ursprünglich im asturisch-astabrischen Grenzgebiet
der iberischen Halbinsel beheimatet. Sie wird „Spanische Ära“ oder Ära Cos
(Aera Cons) genannt, zählt allerdings um die Anzahl von 38 Jahren mehr als die
später von Dionysius und bis heute verwendete Jahreszählung. Diese
Jahreszählung taucht gegen Ende des Jahrtausends sogar in einer maurischen
Handschrift noch auf, die als „anwa“- Buch die täglichen Stern- Auf- und
Untergänge dieser Zeit mit allen damals gängigen Kalenderdaten aufs
Peinlichste genau vermerkte. Sogar Dionysius Exiguus selbst war diese
Jahreszählung bekannt, denn sie stand nachweisbar in seiner Arbeitshandschrift
seiner „Hispania“- Redaktion, einer Kanonensammlung u.a. mit der Synode von
Tarragona 516 und zahlreichen päpstlichen Schreiben. Dionysius Exiguus hatte
demnach ein Vorbild für eine Jahreszählung ab Christi Geburt, warum er dieses
nicht originalgetreu übernahm, sondern ein anderes Jahr als Ausgangspunkt
wählte, steigert sich zum Kriminalfall, dessen Lösung nun fast 1500 später
einiges über die ursprünglich verborgenen Absichten und damit wohl verbundenen
späteren Verbrechen der christlichen Kirche klar werden lässt.
5. Andere Jahreszählungen des frühen Christentums
Zahlreiche verschiedene Kalendersysteme waren im frühen Christentum üblich.
So zählte man z.B. die Jahre nach der Regierung des Kaisers Diokletian, aber
auch nach dem Anno Mundi, einer Weltschöpfungsära.
Diese Jahreszählung basierte auf der fünfbändigen Weltgeschichte des Sextus
Julius Africanus, die er 300 Jahre vor Dionysius während der Konsulate von
Gratus und Seleucus (221 CE) veröffentlichte. Obwohl sie verloren ging, gibt es
davon zahlreiche Hinweise anderer Autoren, die Abschriften seiner Weltenära
(AM) fertigten, die sehr populär wurde. Die Anno Mundi Zählung fußt auf einem teleologischen Konzept,
das die Weltgeschichte mit dem einem göttlichen Heilsplan verknüpfen will und
daher ein Zeitgerüst konstruiert, das auf der Bibel basiert. So sagt Psalm 90:4: Denn tausend Jahre sind vor dir wie der Tag, der gestern vergangen ist, und wie eine Nachtwache.
Im 2. Petrusbrief 3:8 heißt es: Eins
aber sei euch nicht verborgen, ihr Lieben, dass ein Tag vor dem Herrn wie
tausend Jahre ist und tausend Jahre wie ein Tag.
Ähnliche Worte finden sich im Koran, Sure 22: Wahrlich ein Tag im
Angesicht des Herrn ist wie 1000 Jahre in eurer Wahrnehmung, sowie auch in
Sure 32.
Im Zeitkonzept des Africanus spielte aber nicht nur der biblische 7-Tage Schöpfungsbericht eine besondere Rolle, denn in seinem Weltbild sind 6000 Jahre (6 Tage) seit der Erschaffung der Welt bis Adam vergangen, und der Tag des Herrn, der siebte Tag ist zugleich auch letzter bzw. Jüngster Tag.
Es entstand ein zusätzlicher Zeitrahmen, der die Geschichte der Menschheit gleichsam
innerhalb eines einzigen Tages (dem sechsten, der 12 Stunden enthält) beschreibt.
Bedenken Sie hier, dass es auch neue Kosmologien gibt, die gleichsam als
Vorstellungsmodelle die gesamte Zeit seit dem vermuteten Urknall innerhalb eines
Tages darstellen, wo der Mensch dann erst in den letzten Sekunden
dieses Tages erscheint.
In Übereinstimmung mit diesem sechs Tage Gerüst und
weil laut Bibel Adam am sechsten Tag erschaffen wurde und dies auch der Wochentag
war, an dem Jesus (der zweite Adam) gekreuzigt wurde, wurde ein ein Zeitkonzept
geschaffen, an dem die gesamte Menschheitsgeschichte gleichsam an einem Tag
ablief, was so etwas wie einen Jüngsten Tag erzeugte. "In der ersten
Hälfte des dritten Jahrhunderts schreibend verwendete Origenes in seinem
Matthäus-Kommentar diese Analogie um die ganze biblische Geschichte mit Hilfe
der 12 Stunden eines einzigen Tages in Zeitalter einzuteilen. Dem gemäß setzte er
Noah auf die Dritte Stunde, Abraham auf die Sechste Moses auf die Neunte und
schließlich Christus auf die Elfte Stunde." (Zitat aus: Declercq,
Georges. ANNO DOMINI. The Origins of the Christian Era. Turnhout, Belgium 2000)
Auch ein Zitat des Neuen Testament entspricht dieser Vorstellung: "Kinder, es ist die letzte Stunde! Und wie ihr gehört habt, dass der Antichrist kommt, so sind nun schon viele Antichristen gekommen; daran erkennen wir, dass es die letzte Stunde ist" (1. Joh 2:18). Denn in der Weltenära (AM) erschien Christus in der letzen (der elften) Stunde. Auf diese Weise wurde die gesamte vermutete Menschheitsgeschichte von 6000 Jahren auf einen einzigen christlichen "letzten" Tag reduziert, in dem Christus in der letzten Stunde (der elften ) erschienen war.
Folglich wurde in der Anno Mundi Zählung das Jahr der Geburt Christ auf das Jahr AM 5.500 festgesetzt weil dies der der elften Stunde von verfügbaren zwölf entspricht (6000 : 12 * 11 = 5.500).
Diese Methode (AM) beeinflusste wesentlich die frühe römische und Byzantinische Chronologie, wie die Chroniken von Hyppolytus in Rom, Sulpicius, Pandoros und andere. Aus diesem Konzept entstand die Alexandrinische Ära des Annianos, der zur Zeit lebte als der Patriarch Theophilus (412 CE) starb und die Byzantinische Ära, die noch immer in der Orthodoxie Verwendung findet. Diese Weltären differierten jedoch untereinander um einige Jahre, weil man das Datum der Erschaffung der Welt jeweils um einige Jahre verschob, um die bestmöglichen Osterregeln einzurichten. Das Jahr 1 CE zum Beispiel entspricht dem AM 5493 der Alexandrinischen bzw. dem AM 5509 der Byzantinischen Anno Mundi Rechnung. In der ursprünglichen Ära des Africanus entspricht AM 5502 dem Jahr 1 CE.
Dieses Zeitrechnungssystem wurde indes ungeheuer populär, verursachte aber
ein ungeheures Problem: Ein Weltensende-Fieber, das durch den drohenden Beginn
des siebten Tages zugleich mit dem Ende der 6000 Jahre bevorstand und 500 Jahre
nach der Geburt Christi eintreten würde.
"Am Übergang vom 4. zum 5. Jh., d.h. genauer zum Zeitpunkt die
barbarischen Invasionen apokalyptische Ängste aufkommen ließen, schrieb der
Afrikanische Bischof Julius Hilarianus z.B. eine Abhandlung über die
"Dauer der Welt", in der er 5530 Jahre seit der Schöpfung bis zur
Kreuzigung Christi, und 369 Jahre von dort bis zum Konsulat von Caesarius und
Atticis (397 CE), rechnete; damit verblieben, so schloss er, bis zur
Auferstehung der Toten noch 101 Jahre." (zit. Declercq).
Die Weltuntergangsfurcht, von der AM Zeitrechnung mit der sich selbst erfüllenden Prophezeiung im Jahr AM 6000 verursacht, steigerte sich sicherlich noch, als ungefähr 3 Jahre danach (etwa die Lebenszeit von Jesu) eine Konjunktion aller Planeten auftrat (531 CE), nach der wie die antiken Philosophen Plato und Pythagoras sagten, sich alles wie seit Anbeginn sich wiederholen würde.
Die Angst, die auf Grund dieses Zeitkonzepts entstand wurde durch
drei Strategien bekämpft, um Chiliasmus, Millenniarismus und
Weltuntergangsfieber zu vermeiden:
1) Verschieben der Weltenschöpfung nach hinten, um zu zeigen, dass das drohende
Jahr 6000 schon lange vorbei war;
2) Das Alter der Welt verjüngen, um damit das Jahr 6000 um einige Jahrhunderte
in die Zukunft zu verschieben;
3) Eine andere Nummerierung der Jahre anstatt jener ab der Erschaffung der Welt
(AM).
Es bestand also beinah Notwendigkeit für eine neue Zeitrechnung.
Keineswegs war jedoch Dionysius der erste Erfinder einer Jahreszählung ab
Christi Geburt, wie viele fälschlich glauben. Eine solche war, wie der aus
Barcelona stammende Jose Vives in seiner sorgfältigen Studie „Inscripciones
cristianas de la Espana Romana y Visigoda“ nachweist, seit der zweiten Hälfte
des 3. Jh. schon bekannt und ursprünglich im asturisch-astabrischen Grenzgebiet
der iberischen Halbinsel beheimatet. Sie wird „Spanische Ära“ oder Ära Cos
(Aera Cons) genannt, zählt allerdings um die Anzahl von 38 Jahren mehr als die
später von Dionysius und bis heute verwendete Jahreszählung. Diese
Jahreszählung taucht gegen Ende des Jahrtausends sogar in einer maurischen
Handschrift noch auf, die als „anwa“- Buch die täglichen Stern- Auf- und
Untergänge dieser Zeit mit allen damals gängigen Kalenderdaten aufs
Peinlichste genau vermerkte. Sogar Dionysius Exiguus selbst war diese
Jahreszählung bekannt, denn sie stand nachweisbar in seiner Arbeitshandschrift
seiner „Hispania“- Redaktion, einer Kanonensammlung u.a. mit der Synode von
Tarragona 516 und zahlreichen päpstlichen Schreiben. Dionysius Exiguus hatte
demnach ein Vorbild für eine Jahreszählung ab Christi Geburt, warum er dieses
nicht originalgetreu übernahm, sondern ein anderes Jahr als Ausgangspunkt
wählte, steigert sich zum Kriminalfall, dessen Lösung nun fast 1500 später
einiges über die ursprünglich verborgenen Absichten und damit wohl verbundenen
späteren Verbrechen der christlichen Kirche klar werden lässt.
6. Das LIBER DE PASCHATE (Osterbuch)
Wie hat nun Dionysius und vor allem warum hat er die derzeit übliche
Jahreszählung so festgesetzt? Wie uns Dionysius im „LIBER
DE PASCHATE“ mitteilt, hat er für den Papst eine Neuberechnung der
Termine für die Osterfeste gemacht. Diskrepanzen zwischen Rom und den in
Alexandrien üblichen Osterterminen machten dies nötig, worauf aber hier aber
nicht näher eingegangen werden kann. Seit dem Konzil von Nicäa, 325, wurde ja
das Osterfest als Fest der Auferstehung Christi nach dem Kreuzestod auf den
ersten Sonntag nach dem Frühlingsvollmond festgelegt.
Eine zuvor gemachte, bis ins 6. Jahrhundert reichende Berechnung, die vom
Alexandriner Cyrill verfasst worden war, sollte erneuert und für die Zukunft
weitergeführt werden. (Derselbe Cyrill, übrigens einer der Heiligen
Kirchenväter, war auch bei der Ermordung Hypatias, der letzten antiken
Philosophin, involviert.)
Laut der gängigen Lehrmeinung der katholischen Theologen erstellte Dionysius
Exiguus etwa um das Jahr 530 eine neue Osterliste. Dionysius verwendete für
diese Berechnung den 28-jährigen Sonnenzyklus, der sich wegen der sieben
Wochentage und des 4- jährigen Schaltzyklus alle 28 Jahre wiederholt. Weiters
nutze er den damals ebenfalls schon lange bekannten Metonischen, 19-jährigen
Mondzyklus, in dem sich die ungefähren Mondphasen im Sonnenjahr wiederholen.
Durch Verbindung der beiden Zyklen ergab sich ein neuer 532-jähriger Zyklus, in
dem sich das Osterfest im damals gültigen julianischen Kalender wiederholte.
(28 x 19 = 532). Als Startpunkt dieses Zyklus könnte man natürlich jedes
beliebige Jahr wählen, Dionysius wählte dabei aber eines, das in der Folge das
Jahr Christi Geburt wurde und er traf diese Auswahl äußerst schlau und mit
einer, wie gezeigt wird, dahinter verborgenen Absicht.
Über die genauen Beweggründe, wie und warum er seinen neuen Zyklus an dem
später 1 A.D. genannten Jahr beginnen lässt, gibt uns Dionysius selbst keine
erschöpfende Auskunft, sondern liefert eher einen Vorwand, nämlich dass mit
dem Jahr 247 der Diokletian-Ära der bisherige Osterzyklus des Alexandriners
Cyrill ausgelaufen sei. Die Behauptung, Dionysius habe ab dem Jahr 248 der
Diokletian-Ära einen neuen Osterzyklus berechnen müssen, weil kein anderer
vorlag, ist allerdings bar jeder Grundlage, denn es gab mit Sicherheit genügend
Osterlisten von anderen Computisten, die viele Jahrzehnte, ja Jahrhunderte in
die damalige Zukunft reichten. Es hat zudem auch schon fast 100 Jahre vor
Dionysius der Computist Victorinus einen 19x28-jährigen Osterzyklus berechnet
und vorgeschlagen. Auch müssen Dionysius andere Geburtsdaten von Christus, als
das von ihm festgelegte, bekannt gewesen sein, denn in vielen Schriften dieser
Zeit ist ein anderes Datum erwähnt, - so auch jenes, das dem Auftreten des
Sterns der Magier entspricht. So berichten zum Beispiel von Klemens von
Alexandrien in seinen „stomata“ und auch Epiphanios der Metropolit von
Zypern von einem Geburtsjahr, das mit dem Jahr 7 v. Chr. übereinstimmt. Von den
heutigen kirchlichen Institutionen wird gemeinhin von einem Fehler gesprochen,
der Dionysius aus Unkenntnis des wahres Datums bei der Festlegung des Jahres 1
A.D. unterlaufen sei. Die katholischen Theologen behaupten nämlich, was zuerst
nur eine eher willkürliche, zufällige oder irrtümliche Festlegung des
Startpunktes eines neuen Osterzyklus durch Dionysius war, wurde eher zufällig
in der Folge die Grundlage der Jahreszählung mit Christi Geburt, und Dionysius
seien eben keine genaueren oder richtigere Quellen vorgelegen. Andere Ursachen
gäbe es nicht und die Spuren seien verwischt.
Was die Akzeptanz der neuen, von Dionysius eingeführten Jahreszählung betrifft, so ist dabei sehr auffällig, dass das Papsttum selbst die neue Jahreszählung beinahe mied und selbst erst etwa ab dem 14. Jahrhundert offiziell einführte. Nur in profanen und sonstigen kirchlichen Dokumenten ist die neue Jahreszählung jedoch bald nach Dionysius zu finden. Das älteste Dokument außerhalb der Kirche, wo diese neue Jahreszählung vermutlich im Original auf uns überliefert und zu sehen ist, stammt aus dem Jahr 704 aus einem Dokument von Suabraed of Essex (Facsimiles of ancient Chartres in the British Museum). Es gibt noch einige ältere, wie die Königsdokumente von Aethilbert of Kent aus dem Jahr 605 (Codex diplomaticus aevi sextae III), von diesen wird allerdings angenommen, sie seien spätere Kopien bzw. Fälschungen.
Doch lassen wir nun Dionysius selbst darüber sprechen, wie er und warum er
die neue Jahreszählung begann:
Zur Zeit des Dionysius war die, zumindest in Rom übliche Jahreszählung die
sogenannte Diokletianische, also die Zählung der Jahre nach dem römischen
Kaiser Diokletian, der als einer der schlimmsten Christenverfolger gefürchtet
war. Das Erbe dieses tyrannischen Diokletian aus dem Kalender abzuschütteln war
das vordergründige Unterfangen des Dionysius und hatte das Ziel, eine neue
Jahreszählung mit dem Geburt-Christi-Datum zu verknüpfen.
So lauten die entscheidenden an den römischen Bischof Petronius gerichteten
Zeilen der „epistola prima de ratione paschae“:
... Quia vero sanctus Cyrillus primum cyclum ab anno Diocletiani
centesimo quinquagesimo tertio cœpit et ultimum in ducentesimo quadragesimo
septimo terminavit, nos a ducentesimo quadragesimo octavo anno ejusdem tyranni
potius quam principis, inchoantes, noluimus circulis nostris memoriam impii et
persecutoris innectere, sed magis elegimus ab incarnatione Domini nostri Jesu
Christi annorum tempora prænotare, quatenus exordium spei nostræ notius nobis
existeret, et causa reparationis humanæ, id est, passio Redemptoris nostri,
evidentius eluceret . ...
Die deutsche Übersetzung lautet etwa:
Weil St. Cyrill den ersten Zyklus im Jahr 153 des Diokletian begann und
seinen letzten im Jahr 247 beendete, im Jahr 248 desselben eher Tyrannen als
Fürsten (bezeichneten) fangen wir an, wollen aber unsere Kreise nicht mit dem
Gedenken an einen gottlosen Verfolger verknüpfen, sondern haben eher gewählt,
die Zeit der Jahre ab der Inkarnation unseres Herrn Jesu Christi
fortzuschreiben, insofern als der Anfang der Hoffnung für uns mehr hervortrete
und die Ursache der menschlichen Wiederherstellung, das heißt, dass das Leiden
unseres Erlösers, augenscheinlicher hervorleuchte.
Vordergründig erklärt hier Dionysius, dass er seinen neuen Osterzyklus mit
der Inkarnation von Christus, der Ursache der menschlichen Wiederherstellung,
beginnen lässt. Auf den Unterschied zwischen Inkarnation und Geburt soll hier
aber nicht näher eingegangen werden. Den Neubeginn seines Zyklus setzt er 532
Jahre vor dem Jahr 248 Diokletians an und erzeugt somit quasi das Jahr 1 A.D.,
das zugleich der neuen Jahreszählung als Ausgangspunkt dient. Diese Zeilen
enthalten aber einen versteckten Schlüssel, der für das Verständnis und die
verborgene Absicht hinter dem Dokument aufschlussreich ist, und verdienen daher
besondere Aufmerksamkeit.
Der lateinische Text enthält mit dem Wort „inchoantes,“ einen
Rechtschreibfehler, der noch dazu völlig unnotwendig und unbegründet in
Beistriche gesetzt ist und lohnt, genauer darauf einzugehen. Mit „inchoantes“
ist „incohantes“, vom lateinischen „incohare“ für „beginnen“ oder
„anfangen“, gemeint. Solch eine Verwechslung der Buchstaben „o“ und „h“
ist ein auch als Freud’sche Fehlleistung bekanntes Verhalten und könnte
einerseits unbewusst erfolgt sein, oder aber als verborgener Hinweis auf eine
versteckte Absicht in diesem so wichtigen Dokument gedeutet werden. Ein
verkehrter Beginn gewissermaßen!
Ins Spiel kommt hier nämlich die Auswirkung, die diese Festlegung nach sich zog
und welche Parallele sie zeitgleich im Tausende Meilen entfernten Indien hatte.
Dabei müssen wir uns an Aryabhata, sein Kali Yuga Datum und die von Aristoteles
im Größtjahr beschriebene Planetenstellung erinnern!
7. Das Jahr 531 CE, ein Jahr mit einer Konjunktion aller Planeten.
Aryabhata, der Zeitgenosse von Dionysius benutzte aber für seine Kali Yuga Festlegung als Basis für seine Zeitpeilung die Planetenstellung eines das Jahres, das eine ebensolche Konjunktion aller Planeten beinhaltete. Im Jahr 531 nämlich, zugleich das Jahr Diokletians 247, das letzte des im "Liber de Paschate" erwähnten Cyrillischen Zyklus, ereignete sich ebenfalls eine solche seltene Konjunktion aller Planeten. Sie war Ansatzpunkt für Aryabhata und seine Rückrechnung und Datierung des Kali Yuga auf eine ebensolche Konjunktion 3633 Jahre zuvor. Für Dionysius aber war sie Anknüpfungspunkt eine ebensolche in der Zukunft zu berechnen. Am 31. Mai 531 CE standen die Planeten nämlich in gleich enger Konjunktion, wie 1469 Jahre später, am 5. Mai 2000.

Bild: Planetenkonjunktion von 31-Mai 531CE; JDN 1915156
Rektaszension: Mond 4h 35m; Sonne 4h 35m; Merkur 4h 36m; Venus 5h 56m; Mars 4h
35m; Jupiter 5h 45m; Saturn 5h 33m.
Ähnlich wie bei der Uhr die Zeiger um Punkt zwölf bei einander stehen, stehen dabei die Planeten von der Erde aus gesehen beisammen. Im Jahr 531 war nicht nur eine Konjunktion aller klassischen Planeten, sondern auch das Jahr der Inthronisation des berühmten persischen Königs Khusro Anushirvan, der als Shah Kai Chosrau im berühmten persischen Epos Schanameh dem Dichter Firdausi ein historisches Vorbild abgab und starke Parallelen zum Hamlet Mythos aufweist. Khusro Anushirvan regierte von 531-579 und es existiert sogar ein Horoskop, das aus Anlass seiner Krönung im Jahr der seltenen Planetenstellung erstellt wurde. Von dieser Krönung berichten mehrere sehr alte Schriften, so das Buch des Byzantinischen Chronisten Joannes Malalas, betitelt "Historia chronica". Ein weiteres befindet sich in Indien (India Office Library) und existiert in zumindest 4 Kopienbut (Berlin, Leyden, Oxford, Istanbul). Es heißt "Kitab al-masai'l" und wurde vom persischen Astronom und Astrologen Qasrani (abu Yusuf Ya'qub ibn 'ali al-Qarshi) im Mohammedanerjahr A.H. 275 (888-9 CE) verfasst. Mehr darüber in: Bulletin of the School of Oriental Studies (University of London) Volume IX: 1937-39 publiziert (S.H. Taqizadeh; Some chronological data relating to the Sasanian period). Der persische Astronom Al-Biruni berichtet in seinem Masudischen Canon, dass Khusro Anushirvan im Jahr 556 CE alle Astronomen des Reiches einberief, um die sogenannten ewigen Planetentafeln zu revidieren. Daraus entstanden die "Zij ash-Shah" die Tafeln des Shah, die jüngst rekonstruiert werden konnten.
8. Ein Textfragment des "Liber de Paschate" mit einem abgewandelten Zitat daraus und Planetenperioden aus den "ewigen Tafeln".
Einen weiteren Hinweis auf die wahre, aber verborgene Absicht, auf die Dionysius
mit seiner Jahreszählung abzielt, liefert ein rätselhaft überliefertes Textfragment,
dessen Herkunft der Autor dieses Artikels in seinem Buch WIRKLICHT
näher erläutert hat.
Dieses Textfragment gibt die vorher zitierte Stelle des Osterbuchs allerdings
etwas anders wieder. Die letzte Zeile des obigen Absatzes lautet dort nämlich:
... et causa reparationis humanæ, id est, reditus redemptionis nostrae,
evidentius eluceret.
Der kleine Unterschied erzeugt allerdings ein völlig anderen Sinn, der
hinter der Festlegung der neuen Jahreszählung liegt: Herausleuchten soll
demgemäss bei der menschlichen Wiederherstellung nicht das Leiden des
Erlösers, sondern die Wiederkunft des Erlösung!
In diesem lateinischen Textfragment sind neben den Planetennamen und deren
Symbolen auch die entsprechenden synodischen Perioden verzeichnet.
Auf deutsch übersetzt, steht in jeder der Zeilen:
3 Trigon, 2 Saturn, 5 Jupiter
43 Trigon, 29 Saturn, 72 Jupiter , 400 Mars , 854 Jahre 1 Mond (zuvor)
65 Jupiter, 875 Mond
152 Venus, 243 Jahre
5 Venus, 99 Mond, 8 Jahre, 2920 Tage
101 Trigon, 2006 Jahre.
Am Ende dieses Absatzes steht die ebenfalls lateinische Inschrift: „anno MM
A.D. reditus C.M. et hic est finis piscis."
Dieser letzte Satz braucht etwas Phantasie und Geschick an
Interpretationskunst und jeder, der will, kann sich daran versuchen. Besonders
die Buchstaben C.M. machen zu schaffen, und es ist unschlüssig, ob sie ein
Hinweis auf C-M-B, die Weisen aus dem Morgenland (deren Namen allerdings eine
Erfindung des 7. Jh. ist), oder einfach als „Creatio Mundi“, die Erschaffung
der Welt zu verstehen sind. Frei übersetzt würde er etwa lauten: „Das Jahr
2000 n. Chr. ist die Wiederkehr der Erschaffung der Welt (bzw. von Zweien der
drei Weisen, Abk.: C-M-B) und das ist das Ende des Fisches.“ Was die
inhaltliche Bedeutung dieser Interpretation des Satzes betrifft, so wird wohl
jeder dessen Tragweite begreifen, und erkennen, dass damit das Ende des
christlich geprägten Fische- Zeitalters gemeint ist.
An den angegeben Zahlen neben den Planeten erkennt jeder astronomisch Kundige die gemeinsamen Vielfachen der synodischen Planetenperioden, mit denen man z.B. für einen Zeitraum von 854 Jahren die Stellung von Sonne, Jupiter, Saturn und Mars zurück oder voraus berechen kann, da sie dann wieder die selbe Position einnehmen. An Hand von zweien dieser Perioden überbrückt man bereits 1708 Jahre und kann so z. B. aus der Stellung der Planeten des Jahres 292 CE ziemlich genau auf jene des Jahres 2000 schließen.

Bild: Die Konjunktion aller klassischen Planeten von
5-May-2000; JDN 2451670
Rektaszension: Mond 3h 55m; Sonne 2h 51m; Merkur 2h 34m; Venus 2h 14m; Mars 3h
55m; Jupiter 3h 0m; Saturn 3h 11m.
Zusammenfassung und Schlussfolgerung
In sieben Punkten lässt sich die kalendarische und astronomische Signifikanz des Jahres 2000 und seine Verbindung zur Planetenkonjunktion des Mai 2000 mit der Festlegung der Jahreszählung zusammenfassen.
- Der Zeitraum von 2000 Jahren war bestimmende Grundlage mit der das Jahr 1 A.D. berechnet und festgelegt wurde. Unter dem Gesichtspunkt des damaligen Weltbildes verstand man darunter ein Zeitalter und benutze Perioden von Himmelskörpern um dieses zu berechnen.
- Äußert wichtig für die Berechnung eines Zeitalters ist die Dauer während der ein Sternbild seine Funktion als Frühlingssternbild innehat. Die vermutete Präzessionskonstante von 66,6 Jahren je 1° dient dabei als fundamentales Gestaltungsmerkmal. Wegen der Annahme dieser Konstante wurde berechnet, dass der Frühlingspunkt in 2000 Jahren um 30° am Tierkreis vorrücken (präzessieren) würde. Daher würde 2000 Jahre nach Geburt Christi, dessen Piktogramm ICHTHYS (Fisch) auch Frühlingssternbild zu jener Zeit war, ein neues Sternbild den Frühling ankündigen und eine neues Zeitalter einleiten.
- Ausgangspunkt dieser Zeitrechnung ist ein sogenannten Größtjahr, wo eine Konjunktion aller Planeten auftritt. Eine solches Phänomen kann auch ein Zeitalter beenden.
- Im 6. Jh. lag eine Geburtstunde für Zeitrechnungen in der Planetenkonjunktion des Mai 531 CE, für Aryabhata mit Blick in die Vergangenheit, für Dionysius mit Blick in die Zukunft.
- Ein privat überliefertes Dokument verweist auf die geheime Absicht der Jahresfestlegung durch Dionysius.
- Die Jahreszählung Anno Domini wurde auch eingeführt, weil mit dem Weltenjahr Anno Mundi 6000 der einstigen Zeitrechnung ein siebenter und letzter Tag drohte, der dem Jüngsten Gericht gleichgesetzt wurde. Die Schaffung der neuen Jahreszählung verschob diesen Jüngsten Tag auf das Ende des Zeitalters Fische.
- Die Festlegung des Jahres 1 A.D. der christlich katholischen Zeitrechnung erfolgte derart, dass man auf Basis der Konjunktion des Jahres 531 und mit Hilfe der kommensurablen Planetenperioden eine ebensolche in der Zukunft suchte. Nachdem sie gefunden war, wurde genau 1999 davor das Jahr 1 A.D. festgesetzt. Im Jahr 2000 der christlichen Zeitrechnung findet daher dieselbe Konjunktion aller Planeten statt, wie am Beginn vieler Zeitalter.
Es kann mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen
werden, dass die Dionysische Jahreszählung zufällig so festgelegt wurde.
Es ist äußerst unwahrscheinlich, dass die mythologisch so bedeutsame
Konjunktion aller Planeten rein zufällig im Jahr 2000 und am Ende eines
Zeitalter auftritt.
Mit dem Jahr 2000 tritt ein Zeitpunkt ein, der im alten Weltbild als Jüngster
Tag eines neuen - oder wie der englische Ausdruck "Last Day" zeigt -
als Letzter Tag eines alten Zeitalters galt. Damit liefert es einen weiteren
Hinweis auf Zeitalter ebenso wie die weiteren Symbole von Jesus, ALPHA und
OMEGA, der erste und letzte Buchstabe des griechischen Alphabets.

Bild: Die Konjunktion aller klassischen Planeten von 5-May-2000 heliozentrisch.
Bild: Das Jüngste Gericht" von Memling (Original im Nationalmuseum Danzig)
Sepp Rothwangl, 14.11.2000
CEPP: 246 300 Tage
(updated 18.10.01)


